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Explodierende Preise Österreich entlastet seine Bürger mit einem Klimabonus – auch Tote erhalten den Zuschlag

Vom Klimabonus profitieren auch tote Österreicher
Österreich zahlt den Klimabonus aus – auch an die Toten
© Ernst Weingartner / Picture Alliance
Den Klimabonus erhalten österreichische Bürger als Ausgleich zur CO2-Bepreisung. Wegen der Inflation und steigender Preise wurde der Zuschlag im September erhöht – und nicht nur an die Lebenden ausgezahlt.

In Österreich ist den Behörden bei der Auszahlung des Klimabonus ein milliardenschwerer Fehler unterlaufen: Tausende Tote sollen von der Einmalzahlung profitiert haben, berichtet das österreichische Blatt "Die Presse". Der Grund für die versehentlichen Zahlungen ist, dass meist Wochen vergehen, bis die Behörden über die gemeldeten Todesfälle informiert werden. Verstorbene tauchen deshalb auch lange Zeit nach ihrem Ableben nicht im Personenstandsregister der auszahlenden Behörden auf. Deshalb erhalten auch sie die staatliche Unterstützungsleistung – sofern ihre Kontodaten vorliegen. Sollte das nicht der Fall sein, wird das Geld in Form von Gutscheinen per Post zugesandt.

Aufgeflogen war das Malheur als sich ein Österreicher an die entsprechenden Behörden wandte, weil seiner verstorbenen Mutter 500 Euro überwiesen worden waren. Er wollte das Geld zurücküberweisen, doch der Staat lehnte ab, denn: Der Klimabonus der Verstorbenen gilt als Besitz der Verstorbenen und geht damit automatisch an die Erben über.

Österreichs Klimabonus für alle

Beim Klimabonus handelt es sich um eine staatliche Zahlung, die jeder Bürger unabhängig von sozialem Status, der Staatsangehörigkeit oder dem Alter überwiesen wird. Er soll die durch die CO2-Bepreisung entstandenen Mehrkosten ausgleichen und wird von Unternehmen bezahlt, die Kraftstoffe in Österreich herstellen oder importieren. Um die Bürger von den explodierenden Preisen zu entlasten, wurde der Klimabonus im September von 250 auf 500 Euro verdoppelt. Einzige Voraussetzung für die Zahlung: Empfänger müssen ihren Hauptwohnsitz bis zum 3. Juli seit mindestens einem halben Jahr in Österreich haben. Auch Minderjährige profitieren von der staatlichen Leistung. Sie erhalten 250 Euro.

Im vergangenen Jahr sind in Österreich pro Tag ungefähr 247 Menschen gestorben. Zudem zählte das Land täglich um die 235 Neugeborenen. Tausende Österreicher dürften sich demnach über die doppelte Einmalzahlung freuen. Das Klimaschutzministerium sagte der Presse, dass eine Rücknahme des Geldes rechtlich nicht möglich sei. Auch bereinigen ließe sich das nicht.

Staatliche Unterstützung sorgt für Unmut und Heiterkeit

Für hitzige Diskussionen sorgten die Auszahlungen zuletzt, weil auch Gefängnisinsassen die Zahlungen in Form von Gutscheinen erhielten. Aus der rechten Ecke hagelt es zudem Kritik, weil auch Asylbewerber von dem Klimabonus profitieren – sofern sie sich seit einem halben Jahr im Land aufhalten. Andere rückten die sozialen Ungerechtigkeiten in den Fokus der Debatte. So schreibt eine Twitter-Nutzerin: "Man könnte sich auch darüber aufregen, dass 350.000 Milionär:innen in Österreich den #klimabonus erhalten, anstatt über die 10.000 Asylwerber:innen."

Immerhin geht den Österreichern dabei der Sinn für Humor nicht verloren. Auf Twitter wird bereits gewitzelt:

Auch das Satireblatt "Die Tagespresse" griff den Fehler der Behörden auf gewohnt humorvolle Weise auf: "Wegen veralteter Datenbanken wurde der Klimabonus auch an tausende Tote ausbezahlt. Ein bereits verstorbener Tiroler macht das Beste aus der Situation und verjubelt die 500 Euro in Mallorca", schrieb das Blatt – und meint damit niemand Geringeren als die Gletschermumie Ötzi.

Quellen:"Die Presse", "Die Tagespresse", Bundesregierung Österreich

cl

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