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Twitter "Besser durch die Krise gekommen als andere Länder": Sebastian Kurz erntet für Corona-Tweet viel Häme

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz
Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz trägt Mundschutz
© Picture Alliance
Sebastian Kurz hat für einen Tweet viel Häme im Netz geerntet. Österreichs Bundeskanzler hatte darin betont, wie gut sein Land im Vergleich zu anderen dastehe. Über Ischgl verlor er dabei kein Wort.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat wegen eines Tweets viel Häme bekommen. Darin hatte sich der ÖVP-Politiker bei seinen Landsleuten bedankt. Allerdings betonte er dabei auch, wie gut sein Land im Vergleich zu anderen dastehe: "Österreich ist bisher besser durch die Krise gekommen als andere Länder“, sagte er. “Der Grund dafür sind die Österreicherinnen und Österreicher." Sie hätten schneller und restriktiver reagiert. Durch dieses Verhalten seien Leben gerettet.

Betrachtet man nur die Zahlen, lässt sich nicht abstreiten, dass Österreich im Vergleich zu anderen Ländern noch recht glimpflich davon gekommen ist. Laut Johns Hopkins University haben sich fast 12.000 Österreicher mit Covid-19 infiziert. 168 sind gestorben. Jedoch ist die Republik mit dem Après-Ski-Mekka Ischgl über Tage Drehscheibe für das neuartige Coronavirus in Europa gewesen.

Sebastian Kurz wird auf Twitter kritisiert 

Aus diesem Grund lautet der Vorwurf vieler, seine Worte seien zynisch. "Allen voran hat Österreich zunächst mal die Pandemie in diverse Länder exportiert", schreibt eine Nutzerin. "Weil eben nicht schnell und restriktiv gehandelt wurde, sondern Ihre Tiroler Adlerfreunde sich das Geschäft nicht stören lassen wollten."

Auch der Satiriker und Abgeordnete des Europaparlaments für die Partei Die Partei Martin Sonneborn verwies auf einen Artikel, in dem er in ironischer Manier empfahl, Hotspots wie Bergamo, Madrid und Ischgl zu bombardieren. "Das dazu, Herr Kollege …", entgegnete Sonneborn Kurz.

Wie Ischgl halb Europa infizierte

In Ischgl lief der Wintersport- und Partybetrieb tagelang weiter, obwohl es klare Hinweise gab, dass das Cornavirus von dort in alle Richtungen verbreitet wurde. Bereits am 5. März klassifizierten die isländischen Gesundheitsbehörden den Tiroler Ort als Risikogebiet. Dennoch handelten die Verantwortlichen nicht.

Selbst als es zwei Tage später den ersten Coronavirus-Fall im Skiort gab, erklärte eine Mitarbeiterin der Landessanitätsdirektion Tirol: "Eine Übertragung des Coronavirus auf Gäste der Bar ist aus medizinischer Sicht eher unwahrscheinlich.“ Ein Mitarbeiter der Après-Ski-Bar "Kitzloch" wurde positiv getestet. Es dauerte weitere drei Tage, bis die Behörden die Schließung des "Kitzloch" und anderer Après-Ski-Bars in Ischgl bekanntgaben – bis dahin wurde das Virus von den Wintersporttouristen weiter durch den halben Kontinent getragen.

rpw

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