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Opfer der Kamerafrau Das ist der Mann, den die ungarische Reporterin zu Fall gebracht hat

Osama al-Abdelmohsen floh mit seinem Sohn erst vor dem Krieg in Syrien, dann vor der ungarischen Polizei. Die Flucht schützte ihn nicht davor, Opfer des Hasses zu werden - dem der Kamerafrau Petra L. Gegen die Frau wird nun ermittelt.

Die Bilder, auf denen zu sehen ist, wie eine ungarische Kamerafrau einem syrischen Flüchtling und seinem kleinen Sohn ein Bein stellte, gingen um die Welt. Und das ist der Mann, dem die Reporterin ein Bein stellte, als er in Ungarn vor der Polizei floh: Ein Flüchtling, ein Vater, ein beliebter Fußballtrainer. Durch das viel beachtete Video konnte er nun von syrischen Usern der sozialen Netzwerke identifiziert werden.

Laut einem Bericht des britischen "Independent" handelt es sich bei dem Mann, der den Hass der Reporterin Petra L. vor laufender Kamera zu spüren bekam, um Osama al-Abdelmohsen, einen Fußballtrainer aus Deir Ezzor. Private Fotos zeigen den Mann stolz lächelnd neben seinem Fußballteam. Die Kommentare unter den Fotos lassen auf seine große Beliebtheit schließen: Glückwünsche, Daumendrücken, herzliche Grüße. Als "Dream Team" werden er und seine Fußballer bezeichnet.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kamerafrau

Al-Abdelmohsen war mit seinem kleinen Sohn zusammen mit vielen anderen Flüchtlingen aus einem Lager in Röszke unweit der ungarisch-serbischen Grenze geflohen, in dem durch die große Masse an Flüchtlingen angespannte Zustände herrschten. 

 Den Ausbruchsversuch wollte die ungarische Polizei mit Schlagstöcken stoppen; al-Abdelmohsen kam zunächst heil davon - und stürzte dann doch noch, weil eine Reporterin ihm absichtlich ein Bein stellte. Die Frau trat anschließend auf mehrere weitere Flüchtlinge ein. 

Die Kamerafrau Petra L. wurde wegen ihres Angriffs beim Sender N1TV entlassen. "Sie hat sich völlig inakzeptabel verhalten", so der Kommentar ihres ehemaligen Chefredakteurs. Inzwischen ermittelt auch die ungarische Staatsanwaltschaft gegen die Reporterin. Zwei Oppositionsparteien hatten nach Verbreitung der Videos Strafanzeige gegen Petra L. gestellt, teilte die Staatsanwaltschaft des Verwaltungsgebiets Csongrad am Donnerstag mit. Geprüft werde, ob ihr noch schwerwiegendere Taten zur Last gelegt werden können.

jen AFP

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