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Nachwahl in Pennsylvania: Schlappe für US-Präsident: Demokrat siegt in Trump-Land

Es ist die dritte Nachwahlpleite für die US-Regierung. Ausgerechnet in einem Stammland der Republikaner gewinnt ein Demokrat gegen einen Trump-Schützling. Damit verliert der US-Präsident einen weiteren Stimmungstest.

Conor Lamb

Conor Lamb feiert nach der Kongress-Nachwahl mit Anhängern

DPA

Schwerer Rückschlag für Donald Trump und seine Partei bei einer Nachwahl zum Kongress: In einem bislang als Hochburg des US-Präsidenten und der Republikaner geltenden Bezirk im Bundesstaat Pennsylvania hat sich der Kandidat der oppositionellen Demokraten zum Sieger erklärt. Der Vorsprung von Conor Lamb in dem Rennen um einen Sitz im US-Repräsentantenhaus war hauchdünn: Nicht einmal 1000 Stimmen lag er vor dem Republikaner Rick Saccone. Die Entscheidung war so eng, dass sogar noch die Briefwahlstimmen ausgezählt werden musste. Danach war der Vorsprung sogar auf 627 Stimmen geschrumpft, aber es reichte zum Sieg des Demokraten. Auf Lamb entfielen nach Angaben der "New York Times" 49,8 Prozent, auf seinen republikanischen Konkurrenten Rick Saccone 49,6 Prozent. Der Ausgang kommt für Trump und die Republikaner einer heftigen Niederlage gleich.

Sieg in "Trump-Country"

Der 33-jährige Lamb, ein früherer Bundesanwalt und Offizier der Marineinfanterie, jubelte noch vor der Briefwahlauszählung: "Wir haben es geschafft." Kurz zuvor hatte Saccone reklamiert, die Wahl sei noch nicht gelaufen. "Wir geben nicht auf", rief der 60-jährige Republikaner, bisher Mitglied des Regionalparlaments von Pennsylvania, seinen Anhängern zu. Der früher von der Stahlindustrie dominierte Bezirk im Westen von Pennsylvania wird seit Jahren von den Republikanern dominiert und galt als "Trump Country". Das jetzige Staatsoberhaupt hatte in dem Bezirk bei der Präsidentschaftswahl mit 20 Prozentpunkten Vorsprung gegen Hillary Clinton gewonnen.


Auch für Trump persönlich ist das Ergebnis niederschmetternd. Wie bei einigen Nachwahlen zuvor, hatte er sich persönlich stark für den Kandidaten engagiert und war zwei Mal in die Region gereist, zuletzt am Samstag. Auch wurde spekuliert, dass Trump den Zeitpunkt für die Verkündung der Strafzölle auf Stahl und Aluminium möglicherweise mit Blick auf die Nachwahl gewählt hatte. Das nun knappe Rennen reiht sich in eine Serie von Wahlschlappen für Trump und die Republikaner ein.

Wahlpleite, die Dritte

Im Dezember war im Südstaat Alabama der ultrakonservative Ex-Richter Roy Moore bei einer Senatsnachwahl gegen den Demokraten Doug Jones unterlegen. Moore war in einen Skandal um die angebliche sexuelle Belästigung von Minderjährigen verwickelt. Im Südstaat Virginia hatten im November die Demokraten die Gouverneurswahl klar gewonnen und auch bei Wahlen zum Regionalparlament stark zugelegt. 

An den Mehrheitsverhältnissen im Repräsentantenhaus ändert ein Sieg Lambs zwar nichts. Die Republikaner verfügen dort über eine klare Mehrheit von 238 der 435 Sitze. Doch wird der Wahl eine wichtige Signalwirkung für die allgemeine Kongresswahl im November zugeschrieben. Dann werden das gesamte Repräsentantenhaus und mehr als ein Drittel des Senats gewählt. Lambs starkes Ergebnis in der Arbeiterhochburg stärkt die Hoffnungen der Demokraten, zumindest die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobern zu können.

Bei der Wahl ging es um ein Mandat, das durch den Rücktritt des republikanischen Abgeordneten Tim Murphy freigeworden war. Murphy war abgetreten, nachdem ihm eine Ex-Geliebte vorgeworfen hatte, von ihr eine Abtreibung verlangt zu haben.

nik/AFP/DPA