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PKK: Der Terror der "Freiheitsfalken"

Lange war es ruhig um die PKK. Doch die kurdische Arbeiterpartei hat den Kampf gegen türkisches Militär und Polizei wieder aufgenommen. Der Terror hat die touristischen Hochburgen des Landes erreicht.

Ein Jahr ist vergangen, seit die kurdische Arbeiterpartei PKK der Türkei im Sommer 2004 erneut den Krieg erklärt hat. Seither werden Züge durch ferngezündete Sprengsätze zum Entgleisen gebracht, Militärfahrzeuge durch explodierende Minen zerfetzt, Militär- und Polizeiposten beschossen. Doch der Terror der kurdischen Extremisten beschränkt sich nicht länger nur auf entlegene Gebiete im Osten und Südosten des Landes. Im Visier der Terroristen sind ebenso touristische Hochburgen an der Westküste, wie jüngst die Explosion einer Splitterbombe im ägäischen Badeort Cesme gezeigt hat. Zu dem Anschlag hatte sich eine kurdische Gruppe aus dem Umfeld der Arbeiterpartei Kurdistans bekannt. Die Gruppe "Freiheitsfalken Kurdistans" (TAK) kündigte bereits weitere Anschläge an.

Mit jedem Tag, der vergeht, wird die türkische Öffentlichkeit mit Bildern des Terrors konfrontiert, die sie seit der Festnahme des PKK-Chefs Abdullah Öcalan und dem Ende des 15-jährigen Guerillakrieges 1999 hinter sich gelassen glaubte: Verzweifelte Mütter und Väter, die über den Särgen getöteter Soldaten weinen. "Mit Musik verabschieden wir unsere Söhne, tot bekommen wir sie zurück", klagten Angehörige am Sarg eines Wehrpflichtigen, an dessen Beerdigung Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und Generalstabschef Hilmi Özkök teilnahmen.

Seit dem Ende der waffenruhe starben Hunderte

Seit die PKK Ende Juni 2004 ihre fünfjährige Waffenruhe für beendet erklärt hat, starben laut türkischen Zeitungsberichten mehr als 100 Angehörige der Sicherheitskräfte, die meisten im Gefecht. Fast eben so viele wurden von explodierenden Minen in den Tod gerissen. Auf der anderen Seite wachsen die Spannungen in den osttürkischen Kurdengebieten. Zu blutigen Unruhen kam es Ende Juni in der Stadt Van, als Familienangehörige die Herausgabe von zwei getöteten PKK-Guerilleros verlangten. Tausende zogen wütend durch die Straßen, trugen kurdische Fahnen und Bilder des PKK-Führers Öcalan.

Zerstoben scheinen die Hoffnungen auf eine Lösung des Kurdenkonflikts, die sich an das Ende des Jahrzehnte langen Ausnahmezustandes im Südosten, an die Reformen der Regierung Erdogan für mehr kulturelle Rechte der Kurden und nicht zuletzt an die Haftentlassung der prominenten Kurdenpolitikerin Leyla Zana geknüpft hatten. Anders als von der Regierung in Ankara erhofft, konnte sich die stärker auf Aussöhnung bedachte Zana nicht als neues Leitbild durchsetzen und den auf der Gefängnisinsel Imrali einsitzenden Öcalan in den Hintergrund drängen. Der angebliche Wandel der PKK zu einer gewaltfreien politischen Kraft, den die Namensänderungen in KADEK und Kongra-Gel verdeutlichen sollten, fand nur auf dem Papier statt.

"Legt Bomben, aber haltet Euch von Gefechten fern"

Geändert hat sich allein die Strategie des Terrors, wie die Sprengstoffanschläge der vergangenen Wochen und Monate zeigen. Vor zehn, 15 Jahren habe die PKK eine Politik des "militärischen Sieges" verfolgt, zitiert die türkische Zeitung "Cumhurriyet" einen Terrorismusexperten. Jetzt setzten die kurdischen Extremisten den Terror als "psychologisches Druckmittel" ein. Gestärkt wird diese Einschätzung durch die Aussage zweier PKK-Mitglieder, die der Armee nach einem Gefecht im Südosten mit 25 Kilogramm Plastiksprengstoff lebend in die Hände fielen. Ihre Anweisungen hätten gelautet: "Legt Bomben, aber haltet Euch von Gefechten fern."

Ingo Bierschwale/DPA / DPA