Proteste gegen Mohammed-Karikaturen Palästinenser greifen deutsches Kulturzentrum an

Die Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen in der islamischen Welt sind erneut in Gewalt umgeschlagen, die sich auch gegen deutsche Einrichtungen richtete. In Gaza griffen Palästinenser das deutsche Kulturzentrum an.

Bei dem Angriff von zwei Dutzend Palästinensern auf ein deutsches Kulturzentrum in Gaza brachen Türen und Fenster ein. Einige verbrannten die deutsche Flagge. Andere warfen Steine auf das nahe gelegene Gebäude der EU, bis die Polizei die Situation unter Kontrolle brachte. Rund 50 Schulkinder und Jugendliche versuchten anschließend nochmals, die beiden Gebäude zu stürmen. Bereitschaftspolizisten mit Schlagstöcken hinderten sie daran.

Die jungen Palästinenser bewarfen die Polizei mit Steinen und flüchteten. Später zogen 400 Demonstranten erneut zu dem EU-Büro, aus einem Lautsprecher erklangen Parolen wie "Den Propheten beleidigen heißt jeden Muslim beleidigen" und "Mit unserem Blut und Seelen verteidigen wir dich, o Prophet". Die Demonstranten verbrannten die dänische Flagge, versuchten aber nicht noch einmal, in das Gebäude einzudringen. Viele Teilnehmer der Kundgebung waren Geschäftsleute, die zu einem Boykott europäischer Waren aufriefen.

Rote Nelken für Nonnen und Priester

Die EU-Kommission forderte die Autonomiebehörde auf, die Einrichtungen der Europäischen Union vor solchen Übergriffen zu schützen. In Gaza verteilten der Fatah nahe stehende Bewaffnete rote Nelken an Schüler, Nonnen und Priester einer katholischen Schule, um sich für Drohungen gegen Kirchen zu entschuldigen. Hamas-Führer Mahmud Sahar erklärte nach Angaben der italienischen Zeitung "Il Giornale", eigentlich hätten diejenigen, die den Propheten Mohammed beleidigten, getötet werden sollen. "Stattdessen demonstrieren wir hier friedlich", sagte Sahar dem Blatt.

Protestaktionen gab es am Samstag auch in Hebron im Westjordanland und erstmals in Israel. 500 Muslime zogen friedlich durch Nazareth. Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono kritisierte die Veröffentlichung der Karikaturen, die die Gefühle der Muslime verletzten. Zugleich rief er die Gläubigen auf, die Entschuldigungen der dänischen Regierung und der Zeitung zu akzeptieren. Am Freitag war es in Jakarta zu Übergriffen gegen die dänische Botschaft gekommen. Der Regierungschef von Malaysia, Abdullah Ahmad Badawi, verurteilte die Karikaturen und rief die Muslime in seinem Land zu Besonnenheit auf.

Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan bat die Muslime in aller Welt, die Entschuldigung der dänischen Zeitung zu akzeptieren, die die Karikaturen des Propheten Mohammed zuerst veröffentlicht hatte. Er rief in New York alle Beteiligen auf, "nichts zu unternehmen, was eine ohnehin schon schwierige Situation anheizen würde". Am Samstag druckte auch eine Zeitung in Neuseeland, die "Dominion Post", die Zeichnungen nach.

AP


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