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Proteste in der Türkei Polizei reißt Barrikaden am Taksim-Platz nieder


Die türkische Polizei ist am Morgen gewaltsam auf den Taksim-Platz in Istanbul vorgedrungen. Spezialeinheiten setzten Wasserwerfer und Tränengas ein und stürmten die Blockaden der Demonstranten.

Dutzende Polizisten haben am Morgen gewaltsam den Taksim-Platz in Istanbul gestürmt, das symbolträchtige Zentrum der regierungskritischen Proteste in der Türkei. Die von Panzerwagen unterstützen Sicherheitskräfte gingen massiv mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, einige Jugendliche reagierten mit Würfen von Molotow-Cocktails und Steinen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Istanbuls Gouverneur Hüseyin Avni Mutlu appellierte an die Protestierenden, sich von Provokateuren fernzuhalten.

Die Polizisten rissen am zwölften Tag der regierungskritischen Proteste auch die Barrikaden nieder, die Demonstranten an den Zufahrtsstraßen zu dem Platz errichtet hatten. Allerdings bewegten sich die Einsatzkräfte zunächst nicht in Richtung des nahegelegenen Gezi-Parks, wo hunderte regierungskritische Demonstranten ihre Zelte aufgebaut haben.

"Wir werden kämpfen, wir wollen Freiheit"

Mutlu zufolge sollen die Protestierenden auf dem Parkgelände unbehelligt bleiben. Einziges Ziel sei es, auf dem Taksim-Platz "alle Plakate und Schilder zu entfernen", schrieb der Gouverneur auf Twitter. "Wir werden weder den Gezi-Park und Taksim-Platz noch euch anrühren", versicherte er.

Der Tourismus-Student Burak Arat schlief nach eigenen Angaben im Gezi-Park, als nebenan der Polizei-Einsatz begann. "Wir werden kämpfen, wir wollen Freiheit", sagte der 24-Jährige der Nachrichtenagentur AFP, bevor er sich zum von Tränengaswolken eingehüllten Taksim-Platz begab. Schon am Vorabend hatten sich auf dem Platz und im Zentrum der türkischen Hauptstadt Ankara erneut tausende Menschen versammelt, um gegen den als autoritär empfundenen Regierungsstil von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und unverhältnismäßige Polizeigewalt selbst gegen friedliche Demonstranten zu protestieren. In Ankara wurde die Menge dann in der Nacht von den Sicherheitskräften mit Tränengas auseinandergetrieben. Der Großteil der Demonstranten ergriff daraufhin die Flucht, Restaurantbesitzer schlossen sich und ihre Gäste in ihren Lokalen ein.

Illegale Demonstrationen nicht mehr tolerieren

Erdogan ließ am Montagabend ankündigen, dass er sich am Mittwoch mit "einigen führenden Vertretern" der Demonstranten treffen wolle. "Sie werden über die Fakten informiert, und unser Ministerpräsident wird sich anhören, was sie zu sagen haben", teilte Erdogans Stellvertreter Bülent Arinc nach einem Ministertreffen in Ankara mit. Allerdings ließ er offen, wen genau Erdogan am Mittwoch treffen will. Zudem deutete Arinc an, dass "illegale Demonstrationen in der Türkei nicht mehr toleriert werden". Zuvor hatte Erdogan bereits gewarnt, dass Unruhestifter für ihr Verhalten "einen Preis zahlen" würden. In der Türkei gibt es seit knapp zwei Wochen Proteste gegen die Regierung Erdogans. Dabei sind nach Angaben des türkischen Ärztebunds fast 5000 Menschen verletzt worden, Erdogan verwies am Sonntag auf 600 verletzte Polizisten. Drei Menschen starben während der Unruhen.

Proteste rund um den Gezi-Park

Die Polizei war am frühen Morgen vom Stadtteil Besiktas aus vorgerückt, als nur noch einige Tausend Demonstranten auf dem Platz im Herzen Istanbuls ausharrten.

Ursprünglich hatten sich die Proteste an einem Plan zur Überbauung des Gezi-Parks am Rande des Taksim-Platzes entzündet. Die Protestwelle bekam starken Auftrieb, als die Polizei mit brutalem Einsatz ein Lager im Gezi-Park räumte. Inzwischen richten sich die Demonstrationen vor allem gegen den als immer autoritärer empfundenen Kurs des islamisch-konservativen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan.

ins/Reuters/DPA/AFP DPA Reuters

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