Prozess gegen den Ex-Diktator Saddam pöbelt im Gerichtssaal


"Nieder mit Bush", "Lang lebe der Irak" - im Prozess gegen Saddam Hussein hat der Ex-Diktator erneut den Richter und die USA beschimpft. Saddams Halbbruder setzte sich demonstrativ mit dem Rücken zum Richter.

Der irakische Expräsident Saddam Hussein ist am Montag trotz eines angekündigten Verfahrensboykotts erneut vor Gericht erschienen. Der 68-Jährige beklagte, er sei dazu gezwungen worden, an der Verhandlung teilzunehmen. "Üben Sie ihr Recht aus, in Abwesenheit über mich zu richten", sagte Saddam Hussein zum Vorsitzenden Richter Rauf Abdel-Rahman.

Zur Wiederaufnahme des Prozesses erschien Saddam Hussein erstmals in einem traditionellen arabischen Gewand, der Galabija - bei den früheren Sitzungen hatte er einen Anzug getragen. "Nieder mit Bush", rief der Expräsident und: "Lang lebe der Irak", ehe er sich auf der Anklagebank niederließ. Anschließend wurde Saddam Husseins Halbbruder Barsan Ibrahim hereingeführt.

Der frühere Geheimdienstchef forderte eine Haftentlassung, weil er wegen eines Krebsleidens behandelt werden müsse. Der Richter erklärte, er werde eine medizinische Untersuchung anordnen und forderte Ibrahim auf, sich zu setzen. Dieser ließ sich daraufhin demonstrativ auf den Boden nieder und wandte Abdel-Tahman den Rücken zu.

Husseins Verteidigung fordert Austausch des Richters

Saddams Verteidiger hatten angekündigt, den Prozess so lange zu boykottieren, bis Abdel-Rahman durch einen anderen Richter ersetzt werde. "Kann ein Gericht einen Angeklagten zwingen, ohne Anwälte an einer Verhandlung teilzunehmen?", fragte Saddam Hussein. Abdel-Rahman verwies auf die vom Gericht bestellten Pflichtverteidiger. "Das Gericht hat Ihre Anwälte nicht hinausgeworfen. Sie sind nicht gekommen."

Die Verteidigung hält Abdel-Rahman, der erst im Januar seinen überforderten Vorgänger ersetzt hatte, für befangen. Den Vorwurf der Befangenheit gegen Abdel-Rahman stützt die Verteidigung darauf, dass der heutige Richter Anfang der 70er Jahre wegen staatsfeindlicher Aktivitäten in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Saddam Hussein war damals zwar noch nicht Präsident, galt aber bereits als starker Mann des Baath-Regimes.

Zum letzten Verhandlungstermin am 2. Februar war keiner der Angeklagten erschienen, nachdem es schon bei der ersten Sitzung unter Leitung Abdel-Rahmans zum Eklat gekommen war: Saddam Hussein und drei weitere Angeklagte verließen unter Protest den Verhandlungssaal, weil Rahman einen Verteidiger wegen Gerichtsbeleidigung hinausgeworfen hatte.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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