Prozess Neuer Richter für Saddam Hussein


Nach dem Streit um den Vorsitz im Saddam-Prozess hat das Sondertribunal für die Verbrechen des alten Regimes jetzt einen kurdischen Richter mit der Leitung des Verfahrens betraut.

Einen Tag vor der Fortsetzung des Saddam-Hussein-Prozesses ist ein neuer Vorsitzender Richter ernannt worden. Der Kurde Rauf Rascheed Abdel-Rahman übernimmt die Aufgabe von Risgar Mohammed Amin, der aus Protest gegen die Einmischung von Regierungsmitgliedern in seine Prozessführung seinen Rücktritt erklärt hatte. Richter Rauf Raschid Abdul Rahman stammt aus der Stadt Halabdscha, die von Saddam Husseins Truppen 1988 mit Giftgas bombardiert worden war. Dabei waren Tausende von Menschen, darunter viele Kinder, qualvoll ums Leben gekommen.

Saddam Hussein hat im Gerichtsverfahren wenig Ehrerbietung gezeigt. Er beschimpfte die Richter, erschien nicht zu einer Sitzung und betete offen im Gerichtssaal, obwohl der Richter keine Pause genehmigt hatte. Hussein und sieben seiner einstigen Getreuen stehen wegen der Hinrichtung von 148 Männern in der schiitischen Kleinstadt Dedscheel 1982 vor Gericht. Der Prozess soll an diesem Dienstag nach über vierwöchiger Pause fortgesetzt werden.

Koaltionsverhandlungen beginnen

Der irakische Übergangspräsident Dschalal Talabani erklärte am Montag, nach der Bekanntgabe des Ergebnisses der Parlamentswahl vom 15. Dezember, dass an diesem Dienstag in Bagdad offiziell die Koalitionsverhandlungen beginnen werden. Er deutete an, dass die Verhandlungen über die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit viel Zeit in Anspruch nehmen könnten. "Es gibt keinen konkreten Zeitrahmen", sagte er in der kurdischen Stadt Suleimanija.

Saleh al-Mutlak, der Vorsitzende der sunnitischen Nationalen Dialog-Front, die bei der Wahl elf Sitze errungen hatte, erklärte, seine Partei sei zwar immer noch überzeugt, dass das Wahlergebnis falsch sei. Sie werde sich aber weiterhin "am politischen Prozess beteiligen, weil es momentan keine Alternative gibt, um zu verhindern, dass irakisches Blut vergossen wird." Ähnlich hatten sich am Vortag bereits die Vertreter der ebenfalls sunnitischen Irakischen Konsensfront (44 Sitze) geäußert.

Sechs Tote nach Selbstmordanschlag

Ein Selbstmordattentäter sprengte sich am Montag in der Nähe der iranischen Botschaft in Bagdad mit einer Autobombe in die Luft und riss drei Menschen mit in den Tod. Sechs weitere Menschen wurden durch die Explosion verletzt. Die Botschaft liegt nicht weit von der so genannten Grünen Zone entfernt, in der unter anderem die irakische Regierung und die US-Botschaft ihren Sitz haben. In Al-Dur im Nordirak töteten Extremisten eine Frau, die als Reinigungskraft für die US-Armee arbeitete.

DPA/AP AP DPA

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