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Kremltreues Bündnis "Wechsel" Putin-Partei will in Polen Fuß fassen


Polen und Russland haben nicht gerade ein Verhältnis, das von innigem Vertrauen geprägt ist. Ausgerechnet hier versucht ein kremltreuer Politiker, mit einer Putin-Partei bei den Wählern zu punkten.
Von Niels Kruse

Ausgerechnet Polen. Ausgerechnet das Land, das sich als erstes gegen die sowjetische Übermacht stemmte. In dem mit Donald Tusk einer der lautesten Putin-Kritiker in der EU Regierungschef ist. Ausgerechnet hier versucht eine neue, kremltreue Partei politisch Fuß zu fassen. "Zmiana"- Wechsel - so nennt sich das neue Bündnis, das auf nicht weniger als zwölf Prozent bei den Wahlen in diesem Jahr hofft.

Und zwar mit Sprüchen wie diesem: "Russlands Unterstützung der ukrainischen Separatisten ist doch nur natürlich." Schließlich seien Russen in der Ukraine durch Nationalisten bedroht, sagt Mateusz Piskorski, Chef von "Wechsel" und rammt damit gleich die Leitplanken seiner Ausrichtung in den Boden: Ja zu Putin. Ja zum "natürlichen" Alliierten Russland. Nein zu Amerika, Nein zur Russland-Politik des Westens.

Eine Partei für Putin-Fans

Die Gründung von "Wechsel" erfolgt wohl nicht zufällig kurz nach dem Start eines prorussischen Medienverbunds namens "Sputnik" - einer Radiostation und Nachrichtenseite, die sich nach eigener Aussage "Russlands Sicht der Dinge" widmet. Ob dahinter der Kreml steckt, wie etwa bei "Russia Today", das auch einen deutschen Ableger hat, ist bislang nicht klar. Direkte Verbindung nach Moskau jedenfalls soll es laut des Nationalen Sicherheitsrats in Warschau nicht geben. Der Politikexperte Rafal Chwedoruk sagte der Seite "EU-Observer": "Ich glaube, es gibt in Polen einfach Menschen, die Putins Sicht der Dinge teilen, und die werden von "Zmiana" bedient."

Zudem ist das Verhältnis zwischen Polen und Ukrainern nicht immer ungetrübt. Noch immer ist das "Wolhynien-Massaker" aus dem Zweiten Weltkrieg ein Thema im Land. Damals schlachteten Ukrainer massenhaft Zivilisten in den damaligen polnischen Ostgebieten ab. Umfragen zufolge sind bis heute rund 30 Prozent der Polen unwillig, dem Nachbarn in der aktuellen Krise zu helfen. Gleichzeitig aber fürchtet fast Dreiviertel der Bevölkerung, dass der Konflikt auf sie überschwappen könnte.

Boom der Bürgerwehren

Die Furcht vor einer Eskalation ist so groß, dass in Polen Zehntausende von jungen Menschen jedes Wochenende den Ernstfall üben. In Camps mitten im Wald lernen die Freiwilligenverbände den Umgang mit Waffen, den Häuserkampf und militärischen Drill – ohne Berührungspunkte zur regulären Armee, bei der rund 120.000 Polen dienen.

stern-Reporter Tilman Müller hat die Bürgerwehren besucht

Seine Reportage "Polen gegen Putin" lesen Sie im neuen stern


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