Ramsey Clark Ein pazifistischer Provokateur


Der ehemalige US-Justizminister Ramsey Clark hat sich zu einem überzeugten Kriegsgegner entwickelt. Der Mann, der Provokationen liebt, verteidigt nun den irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein vor Gericht.

Ramsey Clark liebt die juristischen Herausforderungen, und noch mehr liebt er die Provokation. Als Verteidiger des gestürzten irakischen Diktators Saddam Hussein kann er beiden Leidenschaften frönen. Wie unbequem er sein kann, hat der 77-jährige Clark in seiner langen juristischen Karriere bereits hinreichend bewiesen, indem er einer ganzen Reihe von international berüchtigten mutmaßlichen Terroristen und Diktatoren als Rechtsberater zur Seite stand, so dem früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic.

Ex-Minister und Kriegsgegner

Auch als ausgesprochen radikaler Kriegsgegner hat sich Clark im Laufe der Jahre einen Namen gemacht. Wiederholt reiste der einstige Justizminister von Präsident Lyndon B. Johnson ins Ausland, um von dort aus die US-Außenpolitik anzuprangern. George W. Bush ist für ihn ein besonders rotes Tuch: Clark steht einer Organisation nahe, die ein Amtsenthebungsverfahren gegen Bush wegen der Irak-Invasion will.

Das Faible für die Rechtswissenschaften wurde dem in Dallas (Texas) geborenen Clark in die Wiege gelegt. Sein Vater Tom Clark war ebenfalls Justizminister und dann Richter am Obersten Gerichtshof der USA. William Ramsey diente zunächst bei der Marineinfanterie, bevor er Jura studierte. Nachdem er 1965 stellvertretender Justizminister geworden war, stand er von 1967 bis 1969 an der Spitze der Behörde. In seiner Minister-Zeit erwies sich Clark als Verfechter der Bürgerrechtsbewegung. Anschließend war er als Rechtsprofessor in der Antivietnamkrieg-Bewegung aktiv und reiste nach Nordvietnam.

Rechtsanwalt für Radovan Karadzic

Als Rechtsanwalt stand Clark auch dem Führer der bosnischen Serben, Radovan Karazic und der PLO zur Seite. Als 1980 über 50 Amerikaner als Geiseln in Iran festgehalten wurden, reiste er nach Teheran zu einer Konferenz mit dem Titel: "Die Verbrechen Amerikas". Wiederholt beschuldigte er die USA des Völkermords - etwa im Zusammenhang mit Aktionen in Panama und Libyen.

Warum er Menschen wie Milosevic und nun auch Saddam verteidigt, hat Clark einmal so erklärt: Jeder Beschuldigte verdiene einen eigenen Anwalt, und faire Prozesse dienten der geschichtlichen Wahrheit. Zum Saddam-Prozess sagte Clark, er halte eine "Dämonisierung" des Angeklagten für "wenig hilfreich".

DPA DPA

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