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Sieben Trumps in vier Tagen Republikaner-Parteitag: Donald Trumps Familienaufstellung

Alte Parteigrößen wie Ex-Präsident George W. Bush sind auf dem Parteitag der Republikaner nicht gefragt. Stattdessen: Claqueure und viel, viel Familie. In vier Tagen werden sieben Menschen sprechen, die den Namen Trump tragen.

Bei Donald Trumps Wahlkampfveranstaltungen ist es interessant zu beobachten, wer sich dort alles nicht blicken lässt. Als einer der wenigen Promis ist Kid Rock manchmal neben dem US-Präsidenten zu sehen, doch die allermeisten Musiker und Schauspieler meiden seine Gegenwart. Auf dem derzeit stattfindenen Nominierungstreffen der Republikaner bleibt selbst die Riege alter Parteigranden fern: kein Ex-Präsident George W.  Bush, kein Ex-Präsidentschaftskandidat wie Mitt Romney und auch sonst kaum ein Gouverneur, Senator oder namhafter Abgeordneter. Stattdessen scheint Trump dabei zu sein, die einstige "Grand Old Party" in einen Familienbetrieb umzuwandeln.

Von Montag bis Donnerstag, werden sieben Frauen und Männer auf dem weitgehend virtuellen Parteitag sprechen, die alle den Nachnamen Trump tragen:

Donald Trump Jr.

Donald Trump Jr.
Donald Trump Jr.
© Chip Somodevilla/Getty Images / AFP

Den Auftakt machte, vom Überraschungsauftritt des Familienoberhaupts Donald Trump einmal abgesehen, der älteste Spross des Präsidenten: Donald Trump Jr.. In seiner Rede, die die BBC "trumpiger als Trump selbst" nannte, beschuldigte er China sowohl hinter der Corona-Pandemie zu stehen, als auch den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden als "Wunschkandidaten" zu unterstützen. "Peking-Biden", wie er den Herausforderer nannte, sei das "Loch-Ness-Monster" des "Washingtoner Sumpfes" und werde mit seiner "linksradikalen Politik" die USA schwächen.

Kim Guilfoyle

Kim Guilfoyle
Kim Guilfoyle
© Olivier Douliery / AFP

Die Freundin von Trump Jr. gehört (noch) nicht zur Familie, aber nach ihrem mehr als enthusiastischen Auftritt, dürfte Kimberly Guilfoyle wohl bald in den exklusiven Kreis aufgenommen werden. Ihre Worte trug sie mit so viel Inbrunst - teilweise fast brüllend - vor, dass selbst ein Reporter der erzkonservativen Website "Daily Caller" schrieb: "Ich habe den Auftritt von Kim Guilfoyle gehört - und mein Fernseher ist nicht einmal an." Vermutlich wollte sie nur sichergehen, dass auch die Demokraten ihre Rede zur Kenntnis nehmen, vielleicht auch nur ein ganz bestimmter. Sie (also die Demokraten) "wollen dieses Land zerstören und alles, wofür wir gekämpft haben und was uns lieb ist. Sie wollen kontrollieren, was wir sehen und denken und woran wir glauben - damit sie kontrollieren können, was wird denken." Die Staatsanwältin und "Fox-News"-Moderatorin war übrigens vier Jahre lang mit einem Demokraten verheiratet: dem jetzigen Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom.

Melania Trump

Melania Trump
Melania Trump
© Brendan Smialowski / AFP

Der Auftritt von First Lady war als einer der Höhepunkte der Trumpschen Krönungsmesse geplant. Und Melania Trump überraschte insofern, als dass sie beinahe die einzige Rednerin war, die Worte des Mitgefühls für die zahllosen Corona-Opfer übrig hatte. Während das Thema allenfalls am Rande und dann auch nur als "China-Virus" vorkam, sagte Melania Trump, zugeschaltet aus dem Rosengarten des Weißen Hauses: "Der unsichtbare Feind Covid-19 ist über unser schönes Land hinweggezogen und hat uns alle getroffen." Den Betroffenen sprach sie ihr "tiefstes Beileid" aus. Viele Menschen machten sich Sorgen und fühlten sich "hilflos". "Ich will, dass ihr wisst: Ihr seid nicht allein." Die offenkundigste Schwäche ihres Mannes versuchte sie als Stärke zu verkaufen: "Ob es einem gefällt oder nicht, man weiß immer, was er denkt. Und das liegt daran, dass er ein authentischer Mensch ist, der dieses Land und seine Menschen liebt. Die Bürger verdienten seine "absolute Ehrlichkeit".

Eric Trump

Eric Trump
Eric Trump
© Andrew Harnik/AP / DPA

Ein besonderes Bonbon hatte Trumps zweitältester Sohn Eric für die Parteitagsdelegierten mitgebracht: War kurz vorher bekannt geworden, dass der Mit-Geschäftsführer des väterlichen Konzerns wegen Unregelmäßigkeiten bei der Trump Organization vor Gericht wird aussagen müssen, stellte er weit größere Pläne in Aussicht. Nämlich, dass die Amerikaner bald zum Mars fliegen werden - vorangetrieben vom amerikanischen Geist. Dieser habe "die Skyline von New York City erbaut, den Hoover-Staudamm errichtet und er wird - unter der Führung meines Vaters - Amerikaner zum Mars entsenden", sagte er in gewohnt unbescheidener Trump-Manier. Er richtete sogar persönliche Worte an seinen Vater: "Ich liebe Dich sehr!"

Tiffany Trump

Tiffany Trump
Tiffany Trump
© Chip Somodevilla/Getty Images / AFP

Einen Auftritt hatte sogar Tiffany Trump, einziges Kind aus der Kurzzeitehe mit der Schauspielerin Marla Maples. Die 26-jährige zeigt sich nur äußerst selten mit den anderen Familienmitgliedern. Ihre Parteitagsrede nutzte sie für Attacken auf die Medien, die sie, wie auch ihr Vater manipulativ nennt: "Statt den Amerikanern das Recht einzuräumen, eigene Überzeugungen zu formen, hält dieses System der Desinformation die Menschen geistig versklavt von den Ideen ab, die sie für richtig halten", sagte Tiffany Trump düster. "Die Menschen müssen erkennen, dass unsere Gedanken, Meinungen und sogar die Entscheidung, für wen wir abstimmen, von Medien und Tech-Giganten manipuliert und auf unsichtbare Weise aufgezwungen werden." Dass sie (wie der US-Präsident auch) von genau "dem System" profitiert, ließ sie dabei unerwähnt. Tiffany Trump ist fleißig auf Instagram unterwegs und hat mehr als 1,2 Millionen Follower.

Maryanne und Mary Trump wohl unerwünscht

Fehlt aus der Trump-Riege nur noch Ivanka, Trumps älteste Tochter und sein Lieblingskind. Sie soll ihren Auftritt am Donnerstag haben und wird wohl ihren Vater für seine Abschlussrede ankündigen, wie es heißt. Die "Daily Mail" hat bereits notiert, wie sie am Montag mit einem 2000-Dollar-Kleid und einer Maske mit Blumenmuster am Rande des Parteitags gesehen wurde.

Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Trump-Namensträger, die Familie ist groß. Wer definitiv nicht dabei sein wird, ist Donald Trumps Nichte Mary, Tochter seines älteren, lange verstorbenen Bruder Fred Jr.. Die promovierte Psychologin hat einen Bestseller über ihre Familie geschrieben, eine ziemlich üble Abrechnung mit den Trumps im Allgemeinen und Onkel Donald im Besonderen. Auch die Präsidentenschwester Maryanne dürfte mittlerweile eine unerwünschte Person sein. Erst kurz vor dem Parteitag wurde durch eine Tonaufnahme bekannt, was sie von ihrem Bruder hält. Grausam und ein Lügner sei er. "Donald", so die frühere Richterin, "schert sich nur um Donald."

Quellen: DPA, AFP, "Daily Mail", "Washington Post", BBC


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