HOME

Rumänen in Italien: "Wir werden Eure Köpfe durchsieben"

Die Rumänen sind die größte Einwanderergruppe in Italien - und nicht sonderlich beliebt. Nachdem ein rumänischer Roma eine Italienerin überfallen und tödlich verletzt hat, werden auf die Osteuropäer regelrechte Hatzjagden veranstaltet. Ein politischer Gipfel soll die Gemüter nun beruhigen.

Von Luisa Brandl, Rom

Der rumänische Premierminister Calin Popescu Tariceanu ist zu einem Krisengespräch mit seinem Amtskollegen Romano Prodi in Rom eingetroffen. Nach einer Privataudienz beim Papst Benedikt XVI. wird Tariceanu mit einer Delegation im Regierungssitz Palazzo Chigi erwartet. Vor seinem Abflug in Bukarest sprach Tariceanu von einem "schwierigen Moment" für die italienisch-rumänischen Beziehungen. Der tödliche Angriff auf eine Passantin in einem Vorort von Rom hatte Gewalttaten gegen Rumänen ausgelöst. Tariceanu nannte den aufkommenden Fremdenhass "absolut beängstigend."

Die rassistische Partei Lega Nord hat indessen für Mittwoch ein Sit-In gegen rumänische Immigranten vor dem Palazzo Chigi angekündigt. Innenminister Giuliano Amato, der ebenfalls an dem Treffen teilnimmt, verurteilte den geplanten Aufmarsch der Lega. Die italienische Regierung erhofft sich von dem Gipfel die Unterstützung Rumäniens bei der Verbrechensbekämpfung. Der rumänische Premier wird voraussichtlich auf die Sicherheit seiner Landsleute in Italien drängen. Tariceanu will außerdem den Rechtsschutz der Rumänen verbessern und hat bereits eine kostenlose Rechtsbeihilfe für rumänische Tatverdächtige angekündigt sowie die Aufstockung der Konsulate in Italien.

Nach dem Mord an der Italienerin vergangene Woche wurden Rumänen mehrfach Opfer von mutmaßlichen Racheakten. Am Montag explodierte eine Sprengstoffladung vor einem Geschäft für rumänische Spezialitäten in Monterotondo nahe Rom. Die vermutlich rechtsextremen Täter hinterließen, auf die Wand gesprüht, neben dem Eingang des Geschäfts ihre Drohung: "Wir werden Eure Köpfe durchsieben".

Auch Fußball-Profis geraten ins Visier der Rechten

Auf dem Parkplatz eines Supermarktes sind wenige Tage zuvor vier Rumänen von Vermummten brutal verprügelt worden, sie wurden mit Schlagstöcken, Eisenstangen und Messern angegriffen und drei von ihnen krankenhausreif geschlagen. Der rumänische Fußball-Nationalspieler Adrian Mutu, der für FC Firenze spielt, wurde bei einem Spiel gegen Lazio Rom von rechtsradikalen Lazio-Fans ausgebuht und als "Zigeuner" beschimpft. Innenminister Amato warnte wiederholt vor rassistischer Gewalt.

Nach Schätzungen leben eine halbe Million Rumänen in Italien. Seit Anfang 2007 ist Rumänien Mitglied der EU. Die Einwanderer aus dem osteuropäischen Land stellen die größte ausländische Gemeinschaft in Italien. Die römische Tageszeitung zitierte eine Umfrage, wonach die Angst vor Fremden so groß ist wie noch nie. Fast jeder zweite Italiener fürchtet um seine Sicherheit, so "La Repubblica". Nach Angaben der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" gehen 15 Prozent der Morde in Italien auf das Konto von Rumänen. In der Kriminalstatistik stehen sie unter den Ausländern auch in Sachen Schutzgelderpressungen, Vergewaltigungen und Einbrüche an erster Stelle. Die Regierung in Rom hat die Behörden in Bukarest wiederholt aufgefordert, etwas gegen die massenhaften Einwanderungsströme zu unternehmen.

In dem Gespräch zwischen Prodi und Tariceanu wird es vermutlich auch um die umstrittene neue Ausweisungsregelung gehen. Die verschärfte Abschiebepraxis war nach dem brutalen Überfall auf die 47-jährige Giovanna Reggiani in Tor di Quinto bei Rom beschlossen worden. Die Frau eines Marineoffiziers war vergangene Woche in einem Graben in der Nähe einer von Sinti und Roma bewohnten Barackenstadt gefunden worden. Sie lag im Koma und starb zwei Tage später an ihren Verletzungen. Die Polizei nahm einen 24-jährigen rumänischen Roma fest. Der Verdächtige bestreitet die Tat.

In einem Eilverfahren hatte die Regierung in Rom das Dekret erlassen, wonach auch EU-Bürger aus Italien ausgewiesen werden können, wenn sie eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen. Der Erlass wurde scharf kritisiert, da EU-Bürger sich innerhalb der Gemeinschaft eigentlich frei bewegen können. Auch auf Druck der linken Koalitionspartner hat das Kabinett gestern den Erlass korrigiert. Demnach müssen die lokalen Behörden die Ausweisungsanträge jetzt erst einem Richter zur Prüfung vorlegen. Außerdem sollen die Gründe der Abschiebung künftig detailliert dargelegt werden. Innenminister Amato versicherte nach der Kabinettssitzung: "Es wird keine Massenausweisungen geben und keine Abschiebungen wegen kleinerer Delikte."