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Sarkozy-Aussetzer: "Hau doch ab, Du Blödmann!"

Nicolas Sarkozy hat den Franzosen einen neuen Politikstil versprochen und den bekommen sie nun. Wenn auch anders, als von vielen erhofft: Beim Besuch einer Messe ist der Präsident beim Bad in der Menge ausfällig geworden und hat einen Besucher als "Blödmann" beschimpft.

In seinem Bemühen um Bürgernähe hat sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy einen ziemlichen Fauxpas erlaubt. Beim Rundgang auf der Pariser Landwirtschaftsmesse lieferte sich der Staatschef jetzt einen ruppigen Wortwechsel mit einem Besucher und beschimpfte ihn.

Während Sarkozy auf dem Messegelände lächelnd durch die Menge ging und allseits Hände schüttelte, sagte ein älterer Mann mit Brille plötzlich: "Oh nein, mich nicht anfassen." Sichtlich erbost antwortete der Präsident "Dann hau' doch ab!" Der Mann ließ jedoch nicht locker und fügte hinzu: "Du beschmutzt mich." "Dann hau' doch ab, Du Blödmann", sagte daraufhin der Staatschef, der den Franzosen einen neuen Regierungsstil versprochen hatte.

Der Zwischenfall wurde gefilmt und ist seither auf der Internetseite der Tageszeitung "Le Parisien" zu sehen. Der Élysée-Palast verweigerte einen Kommentar. Vergangenen November hatte bereits ein ähnlicher Zwischenfall für Aufregung gesorgt. Im Internetportal YouTube tauchte ein Video auf, in dem Sarkozy mit einem bretonischen Fischer aneinander geriet.

Eine neue Umfrage bestätigte derweil die sinkende Popularität des Präsidenten: Laut der Zeitung "Journal du Dimanche" fiel sein Ansehen in den vergangenen zwei Monaten um neun Punkte auf 38 Prozent. Damit stieg die Zahl der Unzufriedenen mit Sarkozys Politik im Zeitraum von Januar bis Februar um zehn Prozent. Premierminister Francois Fillon legte in der Befragung des Umfrageinstituts IFOP dagegen um sieben Punkte auf 57 Prozent zu. Die Franzosen haben nach Angaben der Meinungsforscher den Eindruck, dass ihr Staatsoberhaupt lieber sein Privatleben zur Schau stelle, als sich um seine Wahlversprechen wie die Erhöhung der Kaufkraft zu kümmern.

Seine neue Ehefrau Carla Bruni absolvierte ihren ersten offiziellen Auftritt als First Lady beim Besuch der Familie der FARC-Geisel Ingrid Betancourt. Sie saß neben Sarkozy auf einem Sofa, als der Präsident im Elysée-Palast Betancourts Ex-Mann Fabrice Delloye, deren Kinder Mélanie und Fabrice sowie die im Januar von den kolumbianischen Farc-Rebellen freigelassene Ex-Senatorin Consuelo Gonzáles empfing. Mélanie Delloye sagte, Bruni sei bei dem Gespräch "sehr aufmerksam" gewesen und habe "sehr rührende Worte" gesagt. Gonzáles dankte dem französischen Staatschef für seinen Einsatz im kolumbianischen Geiseldrama. Die franco-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt war vor sechs Jahren von der Farc entführt worden.

Die 40-jährige Sängerin Bruni und der 13 Jahre ältere Präsident hatten am 2. Februar geheiratet. Das Magazin "Nouvel Observateur" hatte vor kurzem über eine SMS berichtet, in der Sarkozy wenige Tage vor der Hochzeit seine Ex-Frau Cécilia Ciganer-Albaniz um eine Rückkehr gebeten haben soll. Der Staatschef verklagte daraufhin das Magazin wegen Fälschung und Verbreitung falscher Informationen.

AFP/nik / AFP