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SINGAPUR: Julia erneut vor Gericht

Die 23-jährige Deutsche Julia Bohl musste in Singapur erneut vor Gericht erscheinen. Sie wird weiter des Drogenhandels angeklagt.

Die in Singapur wegen Drogenhandels angeklagte Deutsche Julia Bohl ist am Donnerstag zu einer vierten Anhörung vor dem Richter erschienen. Laut ihrem Anwalt ist die Staatsanwaltschaft bisher nicht bereit, Zugeständnisse an die Verteidigung zu machen. »Wir werden alle 14 Anklagepunkte anfechten«, so ihr Verteidiger Subhas Anandan. Am schwerstem wiegen zwei Anklagepunkte der Drogenhandelsabsicht, die jeweils eine Haftstrafe von bis zu 20 Jahren nach sich ziehen könnten. Ursprünglich drohte der jungen Frau sogar die Todesstrafe. Eine weitere und wahrscheinlich letzte Anhörung soll am 3. Mai stattfinden. Dann wird sich vermutlich auch entscheiden, wann der Prozess gegen die Deutsche beginnen soll.

Keine Kaution hinterlegt

Julia Bohl machte einen sehr gelassenen und ruhigen Eindruck. Bisher hat sie sich geweigert, die vom Gericht festgesetzte Kaution von umgerechnet 93.250 Euro zu hinterlegen - sie bleibt somit in Haft. Rechtsanwalt Anandan unterstrich allerdings, dass dies ein Teil der Verteidigungsstrategie sei.

Rätsel um Julias Freund Ben

Immer ominöser wird die Rolle von Ben, dem Freund der Angeklagten. Dieser steht, entgegen anderer Medienberichte, gar nicht vor Gericht, sondern befindet sich auf der Flucht. Wie ihm dies, trotz »fünf Wochen permanenter Observierung« (so die Polizeiakte) gelingen konnte, gilt unter Kennern Singapurs als Rätsel der besonderen Art. Vermutungen, dass Ben ein V-Mann der hiesigen Drogenfahndung CNB (Central Narcotics Bureau) sei, sind bisher weder dementiert, noch bestätigt worden. »Ob er nun ein Agent ist oder nicht, wird keine Auswirkungen auf unsere Verteidigungsstrategie haben«, bekräftigte allerdings ihr Anwalt gegenüber stern.de.

Homayoun Dara