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Staatsanwalt befürwortet Sozialdienst: Berlusconi bleibt der Hausarrest wohl erspart

Italiens wegen Steuerbetrugs verurteilter Ex-Ministerpräsident Berlusconi wird wohl Sozialdienst leisten müssen. Mailands Generalstaatsanwalt ist dafür, ein Hausarrest daher unwahrscheinlich.

Der wegen Steuerbetrugs verurteilte frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi wird seine einjährige Strafe wahrscheinlich mit der Ableistung von Sozialdienst verbüßen. Die Staatsanwaltschaft in Mailand schloss sich mit ihrer Entscheidung am Donnerstag einem Antrag der Verteidigung an. Diese hat vorgeschlagen, dass ihr Mandat in einem Behindertenheim eingesetzt wird. Mit einer Entscheidung des Gerichts wird noch in diesem Monat gerechnet.

Das die Richter den 77-Jährigen schon wegen seines Alters nicht unter Hausarrest stellen werden gilt als sicher. Das Alter bewahrt den Cavaliere zudem vor einem Aufenthalt im Gefängnis. Falls Berlusconi seine auf ein Jahr reduzierte Strafe mit Sozialdienst ableisten darf, ist noch unklar, wo er voraussichtlich einmal in der Woche arbeiten muss. Während er und seine Anwälte die Behinderteneinrichtung in der Nähe seiner Villa ausgewählt hatten, könnten ihm die Richter auch eine andere Stelle zuweisen, etwa in einem Altenheim. In jedem Fall hätte er dann mehr politische Bewegungsfreiheit als unter Hausarrest.

Die Häme hat schon begonnen

Doch auch im Sozialdienst müsste der Politiker mit Einschränkungen leben. Wer als Verurteilter Sozialdienst leistet, darf in Italien nachts zwischen 23 und 6 Uhr sein Haus nicht verlassen und keinen Kontakt zu Drogenabhängigen oder Kriminellen haben. Für Reisen in Italien über seine Heimatregion Lombardei hinaus bräuchte Berlusconi vermutlich eine Sondererlaubnis. Seinen Reisepass hatte er bereits nach der rechtskräftigen Verurteilung 2013 abgeben müssen.

Sollte der stolze Cavaliere demnächst als Senioren mit Krücken zur Hand gehen, Laufgestelle schieben oder Kranke füttern, dann muss er mit Häme rechnen. Die liberale Turiner "La Stampa" hat damit schon begonnen: "Ein Alter unter den Alten, er, der auf ein Lifting zurückgegriffen hat, auf eine Haarverpflanzung, der mit Schminke Falten kaschiert und den körperlichen Verfall auf jede Weise hinausgezögert hat!" Über Italien hinaus ist Berlusconi bisher vor allem dafür bekannt, dass er sich gern mit jungen Frauen umgibt, und wie ein ewig junger Mann sein Lachen und Dynamik zeigt.

Bloß nicht ins Altenheim

Ins Altenheim will Berlusconi offensichtlich wirklich nicht so gern. Die Mailänder Justiz hat das zwar dem Gericht vorgeschlagen, doch dieser möchte diesen Alten nicht zu nahe treten, will allein körperlich und geistig Behinderten neue Hoffnung und Auftrieb geben. Das lesen die Medien jedenfalls aus einem Dokument der Berlusconi-Verteidiger heraus. Wie auch immer es kommt, ein Sozialdienst Berlusconis dürfte sich nicht nur höchstens einen Tag in der Woche begrenzen, sondern sein soziales "Restjahr" könnte sich auch noch einmal verkürzen.

dho/Reuters/DPA / DPA / Reuters