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Stelldichein mit 200 Frauen: Gaddafis Islam-Stunde erregt Italien

Wenn Muammar Gaddafi auf Auslandstournee geht, wird er ob seiner exzentrischen Selbstdarstellung meist belächelt. Nicht so in Italien. Denn dort versucht der libysche Staatschef, 200 ausgewählte, attraktive Damen vom Islam zu überzeugen. Und erntet jede Menge Kritik.

Der libysche Staatschef Muammar Gaddafi hat bei seinem Besuch in Italien vor hunderten Frauen für die Verbreitung des Islam in Europa geworben und damit heftige Kritik ausgelöst. "Der Islam ist die jüngste Religion, und wenn man nur einen Glauben haben darf, dann muss dies der Glaube an Mohammed sein", sagte Gaddafi am Montag in Rom vor rund 200 von einer Hostessenagentur ausgesuchten Frauen, wie eine Zuhörerin mitteilte. Frauen würden "in Libyen mehr respektiert als im Westen", fügte er demnach hinzu. Am Sonntagabend hatte Gaddafi bereits vor 500 Frauen für seine Religion geworben. "Europa muss zum Islam konvertieren", hatte er laut einer Teilnehmerin gesagt.

Der für seine Exzentrik bekannte Machthaber aus Tripolis reiste diesmal samt 30 Berberpferden in Rom an. Wie immer kam er zu spät und wie immer brachte er sein eigenes Beduinenzelt mit, das er diesmal im Garten der luxuriösen Residenz seines Botschafters aufschlagen ließ. Die Frauen hatten von einer Agentur 80 Euro für ihre Teilnahme an dem Treffen mit dem libyschen Revolutionsführer erhalten. Die Vorsitzende des Italienischen Feministischen Zentrums, Maria Pia Campanile, kritisierte diese Begegnungen scharf. Die Frauen seien "unter der Bedingung rekrutiert worden, dass sie jung und schön sind und den Mund halten", sagte Campanile. Mario Borghezio von der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord sprach von einem "gefährlichen Projekt der Islamisierung Europas".

In Freundschaft verbunden

Die Oppositionspartei Italien der Werte stellte am Montag vor der libyschen Botschaft in Rom ein "Zelt der Legalität" auf, um auf Verstöße gegen die Menschenrechte in dem nordafrikanischen Land aufmerksam zu machen. Der Chef der oppositionellen Christdemokratischen Partei (UDC), Rocco Buttiglione, sagte, Gaddafi wolle den Westen so darstellen, als gehe es dort nur um Geld, nicht um Würde. Anlass für Gaddafis Rom-Besuch war der zweite Jahrestag der Unterzeichnung des Freundschaftsabkommens zwischen beiden Ländern. Italien hatte Libyen als Entschädigung für die Kolonialzeit mehrere Milliarden Euro in Form von Projektinvestitionen zugesagt. Das nordafrikanische Land verpflichtete sich im Gegenzug, die Weiterreise von Flüchtlingen über das Mittelmeer nach Italien zu verhindern. Am Abend sollte Gaddafi mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi an einer Gedenkfeier zum Freundschaftsabkommen teilnehmen. Zu der Feier waren 800 Gäste geladen, darunter die Chefs großer Konzerne.

AFP/DPA/ben / DPA