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stern.de-Blogger über Obama: Wie die Welt Obama feierte

Drei stern.de-Blogger haben ihre ganz persönlichen Eindrücke über Barack Obamas Amtseinführung aufgeschrieben. Aus Texas, Beirut und Paris berichteten sie über "Inaugurations-Pudding", überfüllte Restaurants und feiernde Muslime. Wir dokumentieren an dieser Stelle einzelne Passagen.

Uwe Langhammer, der in seinem Blog "American Venture" regelmäßig von seinem Leben als Lehrer in Texas erzählt, berichtet unter dem Titel "He did"von der Inauguration des neuen Präsidenten:

"In unseren Schulen wurde die Bedeutung dieses Tages als 'history in the making' begriffen und die Übertragung im Fernsehen oder Computer allen Schülern und Lehrern möglich gemacht. Der ganze Tag ist der Inauguration von Barack Obama gewidmet mit vielen Aktivitäten für die Schüler. Als Nachtisch gab es heute 'Inauguration Jelly' (red, white and blue) und der 'dress code' wurde geändert.

Endlich mal können die Kinder Geschichte in dem Moment erleben, in der sie geschrieben wird und müssen nicht erst warten, bis sie in einem Geschichtsbuch darüber lesen können. Meine ganz persönlichen Hoffnungen liegen in der Reform des Schul- und Gesundheitsystems, die Barack Obama unter anderem auch heute wieder angesprochen hat."

Beirut: Beifall für Obamas Rede

Einen "Moment der Hoffnung"erlebte Beirut, als Barack Obama seine Rede hielt. Bloggerin Susanne Fischer hat ihn festgehalten:

"Natürlich wird auch Barack Obama die Menschen enttäuschen. Heute abend aber wollten sich alle freuen - auch in Beirut.

'Yes we can!'-Shirts und Sticker, Muffins mit blau-weiß-rotem Zuckerguß und viele glückliche Gesichter - so haben die 'Democrats abroad' in Beirut den Amtsantritt von Barack Obama gefeiert.

Selten habe ich so viel Aufmerksamkeit für die Rede eines Politikers beobachtet - vom ersten bis zum letzten Wort. Szenenapplaus, als Obama sich explizit an die muslimische Welt wendet. Jubel aber auch - Beirut ist eben eine ganz besondere Stadt im Nahen Osten - als er neben Christen, Juden und Muslimen ausdrücklich auch die 'non-believers' anspricht, jene, die keine Religion haben, haben wollen. Gelächter, als ein wenig amüsiert dreinblickender Bush ins Bild kommt. (Schuhe sind aber keine geflogen).

Auch wenn die Euphorie nicht lange anhalten sollte - und die Gefahr ist angesichts der auf Obama wartenden Probleme groß: In Zeiten der ständigen Polarisierung, der scheinbar unüberbrückbaren Differenzen lässt es mich hoffen, dass Millionen Menschen rund um den Globus gemeinsam den Amtsantritt eines neuen Präsidenten feiern. Gemeinsamkeiten betonen und nicht das Trennende - davon könnte die Region hier mehr gebrauchen."

Ein Halleluja in Paris

Ein amerikanisches Restaurant in Paris platzt aus allen Nähten - mitten drin: Lisa Louis, die in ihrem Blog "Café au lait" kopfschüttelnde Amerikaner erlebt hat:

"Les Etats-Unis à Paris hab ich heute erlebt - in dem amerikanischen Restaurant nahe der Sorbonne während Obamas Rede zum Amtsantritt. Und der Geist der Hoffnung schwebte sprichwörtlich durch den Raum. 'I want to thank President Bush for his service', (Ich möchte Präsident Bush für seine Dienste danken) sagt Barack Obama zu Anfang seiner Rede. "Service? Ha!" stößt die ältere Dame, sie ist Amerikanerin, neben mir nur verächtlich hervor. Derselben Meinung scheinen auch die anderen rund 50 Amerikaner im Raum zu sein, einige packen sich an den Kopf, andere schütteln ihn. Der American Diner, zu dem mein Kollege von der Journalistenschule, Walid, und ich nach den Kursen gejuckelt sind, ist gerappelt voll. Auf den Tischen stehen kleine Körbe mit Pommes, Teller mit Pancakes und große Milch-Shake-Gläser. Eine Schiefertafel preist den 'Obama-Burger' und das 'Yes-We-Can-Omelette' an, durch den Raum sind blau-weiß-rote Girlanden gespannt, selbst die kleine Plastikuhr an der Wand ist in Amerikas Nationalfarben gehalten.

Der neugewählte Präsident Obama erzählt auf dem kleinen Farbfernseher, der unter der Decke hängt, welche Herausforderungen vor ihm liegen und wie er sie bewältigen will. Immer wieder macht er bedeutungsschwangere Pausen - die sowohl die Zuschauer in Washington als auch vor dem Fernseher mit Applaus und Jubel füllen. Meine weißhaarige Nachbarin nutzt Obamas Schweigen (und sein Nicht-Schweigen) immer wieder für kurze 'Yeah'-Schreie, gepaart mit einem Kopfnicken.

Als ihr neuer Präsident schließlich fertig ist mit seiner Rede, dreht sie sich zu mir um, meint: 'Halleluja!'. Beigeistert wirft sie die Arme in die Luft. Kurze Zeit später steht ihr Lover vor ihr (früher hat er es nicht ins Restaurant geschafft, wegen der Menschentraube, die die Tür blockierte). Sie fällt im erleichtert um den Hals und stößt hervor: 'That was the greatest speech I have ever heard!' (Das war die beste Rede, die ich je gehört hab). Ihr Cheri nimmt sie bereitwillig in die Arme, strahlend."

kra