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Republikaner Steve King: US-Politiker empört mit kruder Vergewaltigungs-These – und gibt die Schuld daran den Medien

Ohne Vergewaltigungen und Inzest gäbe es womöglich kaum noch Menschen. Diese These brachte dem US-Republikaner Steve King vergangene Woche mächtig Ärger ein. Die Schuld daran sieht King allerdings nicht bei sich, sondern den Medien.

Nach Ansicht von Steve King sind Inzest und Vergewaltigungen dem Bevölkerungswachstum dienlich

Wirbel um Steve Arnold King: Nach Ansicht des republikanischen Kongressabgeordneten sind Inzest und Vergewaltigungen dem Bevölkerungswachstum dienlich

AFP

Der umstrittene US-Republikaner Steve Arnold King hat nach seinen fragwürdigen Aussagen über die Bedeutung von Vergewaltigungen und Inzest behauptet, er sei falsch zitiert worden und von der Presse und seiner eigenen Parteiführung eine Entschuldigung verlangt, wie US-Medien berichten. King tritt für ein radikales Abtreibungsverbot ein. Am vergangenen Mittwoch war er auf einer Versammlung von Konservativen in Urbandale im Bundesstaat Iowa für ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen auch nach Vergewaltigungen und Inzest eingetreten und hatte nach Angaben der US-Zeitung "Des Moines Register" spekuliert:

"Was, wenn wir all die Familienstammbäume durchforsten würden und einfach die Leute herausnehmen würden, die Produkte von Vergewaltigungen und Inzest waren? Wäre überhaupt noch irgendeine Weltbevölkerung übrig, wenn wir das täten?" In Anbetracht von all den Kriegen und all den Vergewaltigungen und Plünderungen, die stattgefunden hätten, könne er nicht ausschließen, selbst "Teil eines Produktes" von Vergewaltigung und Inzest zu sein, sagte King.

Video belegt Kings Aussagen

Die Äußerungen brachten dem Politiker nicht nur heftigen Gegenwind vonseiten der Demokraten ein, auch einige republikanische Parteigenossen verurteilten seine These. Sogar US-Präsident Donald Trump erklärte auf Nachfrage: "Sicherlich war es keine gute Aussage."

King wies am Wochenende jegliche Kritik zurück und stellte sich als Opfer falscher Medienberichterstattung dar. Seine Äußerungen hätten nur Schlagzeilen gemacht, weil eine "sehr aktive und lebendige linke Presse" ein falsches Zitat des "Des Moines Register" aufgegriffen und verbreitet habe, behauptete er bei einem Treffen mit Bürgern in der Stadt Grundy Center in Iowa.

US-Präsident Donald Trump bei seiner Rede zur Lage der Nation.

Die Menschen in Iowa würden wissen, dass er falsch zitiert worden sei, sagte der 70-Jährige. "Wenn wir einen nationalen, viralen Angriff haben, der auf ein falsches Zitat zurückzuführen ist, was absolut bewiesen ist, denke ich, dass mir alle Leute, die diesen Angriff durchgeführt haben, eine Entschuldigung schulden, einschließlich meiner eigenen Führung", erklärte King. Er erwarte allerdings nicht, dass das passieren werde, weil "Egos in diesem Geschäft ein wenig zu stark sind".

Tatsächlich ist aber genau das Gegenteil "absolut bewiesen", wie eine Videoaufnahme von Kings Auftritt in Urbandale zeigt. Seine Aussagen über Vergewaltigungen und Inzest wurden vom "Des Moines Register" vollkommen richtig zitiert. Lediglich eine andere kurze Passage aus seiner Ansprache hatte die Zeitung in Teilen falsch wiedergegeben und später korrigiert.

King ist wegen seiner radikalen Ansichten sowie Verbindungen zu ausländischen Extremisten schon mehrfach auch in Teilen der eigenen Partei in die Kritik geraten. So hatte der Abgeordnete vor einem Jahr in einem Interview mit der "New York Times" gefragt, warum es falsch sei, von der Überlegenheit der Weißen zu sprechen. "Weißer Nationalist, weißer Rassist, westliche Zivilisation – seit wann sind diese Formulierungen anstößig?" Der ehemalige republikanische Präsidentschaftsanwärter Mitt Romney forderte damals sogar Kings Rücktritt als Abgeordneter des Repräsentantenhauses.

Steve Kings Stern in Iowa scheint zu sinken

Ein Rücktritt könnte allerdings bald überflüssig werden. Zwar will King im nächsten Jahr erneut für sein Amt kandidieren, doch schon die vergangene Wahl hatte er nur mit sehr knappem Vorsprung gewonnen. Und wenn man sich das "Bürgergespräch" des 70-Jährigen in Grundy Center anschaut, ist seine Popularität seither nicht gerade gewachsen. Genau zwei Personen saßen bei der Veranstaltung im Gemeindezentrum im Zuschauerraum, wie eine Reuters-Fotografin dokumentierte. Bei einer davon soll es sich auch noch um eine Mitarbeiterin des Politikers gehandelt haben.

Die andere, die  21 Jahre alte Studentin Jessica Birch, erzählte nach der Veranstaltung der den Demokraten nahestehenden Nachrichtenseite "Iowa Staring Line":  "Ich war die einzige Person, die nicht dafür bezahlt wurde, dort zu sein." Es sei einfach nur seltsam gewesen, sagte Birch, die Mitglied der demokratischen Partei ist. Sie wisse nicht, was der Rekord für das kleinste Bürgergespräch der Welt sei. "Aber eine Person, das müsste eigentlich der Rekord sein, denke ich."

Quellen: "Des Moines Register""Iowa Staring Line"; "The Hill", "Vanity Fair"KCCI, Twitter