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Streit um EU-Hilfe: Zypern setzt zur Not auf Moskaus Milliarden

Zypern braucht Milliarden, doch die EU sträubt sich. Grund: die angeblichen russischen Schwarzgelder. Der mächtige Erzbischof Zyperns, Chrysostomos II., sagt, warum die Insel nun auf den Kreml zählt.

Exzellenz, die deutsche Regierung sträubt sich, Ihrem Land 17 Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsschirm zu bewilligen. Das Argument lautet: In Zypern wird russisches Schwarzgeld gewaschen.
Die anderen EU-Mitglieder sollen mal nicht die Heiligen spielen. Es gibt viel mehr Schwarzgeld in England, Frankreich und Deutschland. Was bei uns passiert sind Krümel. Ich weiß nicht, wo das ganze Schwarzgeld hier sein soll. Am besten, Sie fragen mal Herrn Schäuble.

Machen Sie sich Sorgen um Zyperns Zukunft?
Nein. Uns geht es ja nicht so schlecht wie Griechenland. Die meisten Branchen haben gute Perspektiven. Der Tourismus, die Schifffahrt. Auch mit der Bauwirtschaft geht es wieder aufwärts. Durch die vielen Russen, Chinesen und Inder, die nach Zypern kommen. Und dann sind da die ganzen Offshore-Firmen, die - Gott sei Dank - Milliarden anlocken.

Die Offshore-Firmen schätzen vor allem die niedrige Unternehmenssteuer von nur zehn Prozent. Andere EU-Länder fordern eine deutliche Anhebung, damit Zypern seine Schulden bezahlen kann.
Wir werden nicht zulassen, dass die EU unseren Bankensektor zerstört. Die meisten Mitgliedsstaaten interessieren sich doch gar nicht für uns. Was sind wir schon in deren Augen? Ein winziger Fleck im Ozean.

Die Kritik lautet, Zypern sei vor allem Rückzugsgebiet für reiche Russen, deren Vermögen nun mit EU-Steuergeldern gesichert werden soll.
Die Russen bringen ihr Geld, weil es hier sicher ist. Und weil es Steuervergünstigungen gibt. Das ist legitim, und das soll so bleiben.

Ihrer Kirche gehört auch eine Bank.
Wir haben die Hellenic Bank gegründet und halten daran heute noch 25 Prozent. Außerdem fünf Prozent an der Bank of Cyprus.

Wissen Sie, wie hoch die russischen Einlagen sind?
Es sind Milliarden. Außerdem sind Russen mit zehn bis zwölf Prozent an der Hellenic Bank beteiligt.

Sind Sie überzeugt, dass dort kein Schwarzgeld angelegt wurde?
Wir haben als Kirche und als Aktionäre Vertrauen darin, dass die Geschäftsleitung ihrer Aufsichtspflicht nachkommt. Gemäß den zyprischen Gesetzen, die Geldwäsche verbieten.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Russen?
Sehr freundschaftlich. Ich kenne fünf bis sechs Geschäftsleute persönlich. Es gab schon öfter Versuche, mit ihnen zu kooperieren.

Können Sie konkreter werden?
Wir wollten mit russischen Partnern ein Kongresszentrum in Limassol bauen, außerdem ein Elektrizitätswerk, und in der Gasbranche haben wir über Kooperationen verhandelt. Aber bislang ohne Ergebnis.

Die zyprisch-orthodoxe Kirche hat der russischen ein sehr teures Grundstück in Limassol geschenkt.
Ja, weil dort eine Kirche gebaut werden soll. Die meisten Russen bei uns leben in Limassol.

Befürchten Sie, dass der Druck aus der EU die Russen aus Zypern vertreiben könnte?
Das wird unsere Kirche nicht zulassen. Ich bin außerdem überzeugt, dass uns der Kreml mit einem Kredit helfen würde, sollte es die EU nicht tun. Zur Not werde ich selbst nach Moskau reisen, um Präsident Putin zu treffen. Unsere Beziehungen zum Kreml sind ausgezeichnet.

Und Sie haben keine Berührungsängste mit Putin? Der steht ja nicht gerade im Ruf, ein großer Demokrat zu sein.
Das ist das typische Argument, mit dem Europa Russland schaden will. Vergessen Sie nicht, dass dieses Land 70 Jahre gottlosen Kommunismus hinter sich hat. Die Situation heute könnte viel schlimmer sein. Die Demokratie in Russland ist auf einem guten Niveau.

Andreas Albes und Ferry Batzoglou