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Swasiland: Moderator Matsebula darf nur noch Gutes berichten

Die letzte absolute Monarchie Schwarzafrikas als Lachnummer: Ein «Kriegsreporter» aus Swasiland hat tagelang im nationalen Rundfunk seiner Heimat «Live-Berichte» aus Bagdad abgesetzt. Weit gefehlt: Moses Matsebula berichtete aus der heimischen Wohnstube.

Swasilands Staatsrundfunk bat um göttlichen Beistand für seinen Bagdad-Korrespondenten. «Landsleute, ich fordere euch zum Gebet auf, damit wir nicht einen so guten Reporter verlieren», rief Moderator Moses Mthetho Matsebula auf der Höhe des Irak-Kriegs nach einer «Live-Schaltung» ins Mikrofon. Als wenig später bekannt wurde, dass der vermeintliche Kriegsberichterstatter aus der heimischen Wohnstube berichtete, ergoss sich weltweit Spott und Hohn über das kleine Königreich zwischen Südafrika und Mosambik. Einmal mehr war die letzte absolute Monarchie Schwarzafrikas international zur Lachnummer geworden.

Strittige Themen sind ab sofort tabu

Unter dem Eindruck des ausländischen Interesses kündigte der neue Informationsminister Abednego Ntshandase eine Untersuchungskommission an. Ein Journalist habe die Nation mit korrekter Information zu versorgen und nicht die Bevölkerung hinters Licht zu führen, empörte er sich. Doch nur wenige Tage später erklärte er dem Parlament, was er unter «korrekter Information» versteht: «Das nationale Fernsehen und die nationalen Rundfunksender werden nichts mehr verbreiten, was die Regierung ins schlechte Licht rückt.» Mit anderen Worten: Strittige Themen, die das Königshaus und die ihm genehme Regierung berühren, sind tabu in der Monarchie, in der politische Parteien nicht zugelassen sind und das Justizsystem zerrüttet ist.

Das gilt nicht nur für die zarten Demokratieversuche, sondern auch für die Scherereien von König Mswati III. mit der widerspenstigen Schwiegermama von Ehefrau Nummer 10 oder den umstrittenen neuen Jet, den sich der Herrscher über eine Million Untertanen zulegen möchte. Denn das Parlament hat es gewagt, ihm sein Okay für den bereits bestellten VIP-Jet «Global Express» von Bombardier zu verweigern. Mit 44 Millionen Euro würde er etwa ein Viertel des Budgets eines Landes verschlingen, das weltweit zu den ärmsten zählt. Zwar hat er als Alleinherrscher das Okay nicht unbedingt nötig, doch der Streit schafft im Ausland schlechte Stimmung. Die USA haben dem Jet angesichts der Protzsucht in dem von Aids und Unterernährung geplagten Land bereits Landrechte verweigert. Und sie drohen mit der Kündigung gewährter Handelsvorteile.

Spekulationen über einen königlichen Übertritt zum Islam

Dabei will Mswati III. nur mit seinem demokratisch gewählten Kollegen im Nachbarland Südafrika gleichziehen. Präsident Thabo Mbeki hat sich dort gerade trotz Widerspruchs im eigenen Land einen Jet mit Konferenz-Ausstattung von Boeing liefern lassen. Die Boeing 737 mit dem schönen Namen «Inkwazi» (Fischadler) hat die Steuerzahler am Kap 51 Millionen Dollar (47,26 Millionen Euro) gekostet. Mswati hat nach Informationen südafrikanischer Medien aber bereits eine Lösung für seine Probleme in Sicht. Sie stößt in dem gut 17 000 Quadratkilometer großen Reich mit seiner christlichen Bevölkerung aber auf wenig Gegenliebe. Denn ein Staatsbesuch Mswatis in Saudi-Arabien Mitte Februar - als Moslems aus aller Welt zur Hadsch nach Mekka pilgerten - löste Spekulationen über einen königlichen Übertritt zum Islam aus.

Die Zeitung «The Star» spekulierte, dass des Königs «Romanze mit den Arabern» Teil eines Deals mit Libyens Revolutionsführer Muammar Ghaddafi sein könne. Gaddafi würde Mswatis Jet bezahlen, wenn der König dafür Gaddafis Expansionspläne stützen würde.

Ralf E. Krüger / DPA