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Syrien Assad lässt Truppen auf Protest-Hochburg marschieren


Mit Panzern und Infanterie will der syrische Präsident Baschar al-Assad offenbar die Opposition in der Küstenstadt Bansai niederkämpfen, eine der Hochburgen des Widerstands gegen seine Regierung.

Nach neuen massiven Protesten gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad sind am Samstag syrische Truppen in die nördliche Küstenstadt Banias eingerückt. Panzer und Soldaten gingen in der Stadt und an den Zufahrten in Stellung, berichteten Aktivisten der syrischen Opposition. Am Vormittag waren nach diesen Angaben auch Schüsse zu hören. Die Stromversorgung sowie Telefon- und Internet-Verbindungen wurden gekappt. Die Geschäfte hätten geschlossen, die Bewohner wagten sich nicht aus ihren Häusern, sagte ein Augenzeuge dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira.

Vor knapp zwei Wochen hatte die syrische Armee die südliche Stadt Daraa einer ähnlichen Belagerung unterworfen. Die Militäraktionen dienen der Absicherung von Polizei- und Geheimdienstoperationen zur Verhaftung und Verschleppung von Regimegegnern und zur Unterdrückung von neuen Protesten. "Wir haben wirklich Angst, dass sich bei uns wiederholt, was in Daraa passiert ist", sagte der Augenzeuge aus Banias. Die beiden Städte gelten als Hochburgen der Protestbewegung gegen das Regime.

800 Tote seit Beginn der Proteste

Bei den landesweiten Kundgebungen am Freitag hatten die Sicherheitskräfte mindestens zwölf Demonstranten getötet. Auch fünf Angehörige der Armee und Polizei sollen am Rande von Homs bei einem Angriff von Bewaffneten ums Leben gekommen sein. Als Reaktion auf die brutale Unterdrückung der Opposition verhängte die Europäische Union am selben Tag Sanktionen gegen Vertraute aus dem Umfeld Assads, nicht aber gegen den syrischen Staatschef selbst. Die USA drohten der syrischen Führung mit weiteren Sanktionen. "Die USA denken, dass die beklagenswerten Akte Syriens gegen sein Volk eine starke internationale Reaktion rechtfertigen", hieß es am Freitag aus dem Weißen Haus. Wenn die Führung in Damaskus die Gewalt nicht beende, würden die USA und ihre internationalen Partner "neue Maßnahmen ergreifen, um unsere entschiedene Gegnerschaft gegen die Art, wie die syrische Regierung ihr Volk behandelt, klar vernehmbar zu machen".

Nach Einschätzung der Opposition hätten die syrischen Sicherheitskräfte seit Beginn der Proteste mindestens 800 Zivilisten getötet. Die syrische Organisation Sawasiah teilte am Samstag in einem an die Nachrichtenagentur Reuters gesendeten Schreiben mit, dass der Organisation die Namen der Toten vorlägen. Allein 220 Menschen seien bei einem Panzer-Angriff in der Hochburg der Gegner von Präsident Baschar al-Assad ums Leben gekommen.

DPA/Reuters/hlue DPA Reuters

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