Terror in Mumbai Pakistan ruft Indien zu Besonnenheit auf


Nach dem Terrordrama von Mumbai hat Pakistan sein Nachbarland Indien aufgefordert, nicht die Konfrontation zu suchen. „Wir müssen zusammenstehen, um diese Gefahr zu bannen", mahnte Präsident Asif Ali Zardari. Indien macht "Elemente" in Pakistan für die Anschläge verantwortlich.

Pakistan hat Indien aufgefordert, nach den Anschlägen keine Konfrontation zu suchen. Extremisten hätten die Macht, in der Region Krieg zu stiften, mahnte der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari in einem am Montag veröffentlichten Interview der "Financial Times". Die verfeindeten Nachbarn dürften dieser Provokation nicht nachgeben. "Wir müssen zusammenstehen, um diese Gefahr zu bannen."

"Was glauben Sie, gegen wen wir zu kämpfen haben?", fragte Zardari, dessen Frau Benazir Bhutto im vergangenen Jahr bei einem Attentat getötet worden war. Die Frage stelle sich ganz besonders, sollten die Attentäter wie von Indien behauptet Verbindungen zur Extremisten-Gruppe Lashkar-e-Taiba in Pakistan haben. "Die Ereignisse in Mumbai zeigen uns, dass es immer wieder Nachahmertaten geben wird."

Zuvor hatte Zardari Indien bereits die uneingeschränkte Unterstützung seiner Regierung bei der Aufklärung der Terroraktion zugesichert. Sollte es schlagkräftige Beweise für die Beteiligung von Einzelpersonen oder Gruppen aus Pakistan an den Anschlägen geben, werde er "ohne zu zögern gegen diese Leute vorgehen", sagte der Präsident am Sonntag dem indischen Sender CNN-IBN. Auch Terrorlager würden geschlossen und die Hintermänner zur Verantwortung gezogen.

Indische Medien hatten unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, die Terroristen seien von der aus Pakistan operierenden radikalislamischen Organisation Lashkar-e-Taiba auf den Angriff in Mumbai vorbereitet worden. Auch Neu Delhi hatte "Elemente" im Nachbarland für die beispiellose Terroraktion verantwortlich gemacht. Der Nachrichtensender NDTV meldete am Montag, indische Grenztruppen hätten ihre Patrouillen an der Grenze zu Pakistan verstärkt. Die Nachbarstaaten haben bereits drei Mal Krieg gegeneinander geführt, darunter zwei Mal um die Grenzregion Kaschmir. Bei der Anschlagserie kamen nach jüngsten Angaben der Polizei 187 Menschen ums Leben, 313 wurden verletzt. Unter den 28 toten Ausländern sind laut dem indischen Außenamt auch drei deutsche Staatsangehörige.

Weitere Rücktritte

Nach dem Innenminister der Zentralregierung trat unterdessen auch der Innenminister und Vize-Ministerpräsident des indischen Bundesstaats Maharashtra wegen der Terroranschläge von seinen Ämtern zurück. "Ich bin meinem Gewissen gefolgt und habe entschieden, diesen Schritt zu gehen", sagte R. R. Patil dem Nachrichtensender NDTV zufolge. Patil war unter Druck geraten, weil er die beispiellose Terrorserie einen "kleineren Vorfall" genannt hatte. Der Ministerpräsident Maharashtras, Vilasrao Deshmukh, bot ebenfalls seinen Rücktritt an. Seine Partei müsse nun darüber entscheiden, sagte er. Deshmukh gehört zur Kongresspartei, die auch die Zentralregierung in Neu Delhi anführt.

Die Opposition wirft der Kongresspartei vor, bei der inneren Sicherheit versagt zu haben. Die Zentralregierung und die Regierung Maharashtras sind in die Kritik geraten, weil die Terrorserie in Bombay trotz Hinweisen auf bevorstehende Angriffe nicht verhindert worden war. Im Frühjahr sind in Indien Parlamentswahlen. Am Sonntag war bereits der indische Innenminister Shivraj Patil zurückgetreten, der ebenfalls der Kongresspartei angehört und aus Maharashtra stammt. Bombay ist die Hauptstadt Maharashtras.

US-Präsident George W. Bush schickt seine Außenministerin Condoleezza Rice am Mittwoch nach Indien. Rice werde unmittelbar nach einem NATO-Treffen in London nach Neu-Delhi fliegen, sagte US-Präsidialamtssprecherin Dana Perino am Sonntag. Rice betrachte ihre Reise nach Indien als ein Zeichen der Solidarität der USA mit dem indischen Volk. Zuvor hatte Bush der indischen Regierung seine Unterstützung zugesagt. Unter den Opfern der Anschlagserie waren auch fünf Amerikaner.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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