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Vulgärer Tweet "Verpiss dich, Ungläubiger": Erdogan-Berater pöbelt gegen Österreichs Kanzler

Burhan Kuzu
AKP-Abgeordneter und Justizexperte Burhan Kuzu
© Sedat Suna/DPA
Österreich fordert eine harte Haltung gegenüber der Türkei, die türkischen Reaktionen sind seit Tagen unfreundlich. Ein Parteifreund von Präsident Erdogan zog nun auf Twitter vom Leder.

Die politische Stimmung zwischen Österreich und der Türkei ist am Tiefpunkt. Vergangene Woche kündigte Bundeskanzler Christian Kern an, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zu stoppen. Die türkische Regierung warf Österreich daraufhin Rassismus vor. "In Europa herrscht ein ernstes Rassismusproblem", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Und Österreich sei "die Hauptstadt des radikalen Rassismus".

Seitdem vergeht kaum ein Tag ohne neue verbale Spitzen. Die jüngste leistete sich nun Burhan Kuzu, AKP-Parteifreund und Rechtssexperte von Präsident Erdogan. In einem Tweet schrieb er, der österreichische Bundeskanzler wolle die Türkei raus aus der EU und der Nato, wobei Kern sich zur Nato (in der Österreich gar kein Mitglied ist) gar nicht geäußert hatte. Es folgt der Satz "HS Gavur". HS steht wohl für "ha siktir", was soviel wie "Ey verpiss dich", heißt. "Gavur" bedeutet Ungläubiger. "Die EU geht sowieso unter; die Nato ist auch nichts ohne die Türkei."

Burhan Kuzu ist ein Istanbuler Jura-Professor und AKP-Experte für Verfassungsfragen. Für die Erdogan-Partei sitzt er auch im Parlament.

Österreich bleibt bei seiner Haltung

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz bekräftigte am Sonntag die Haltung seiner Regierung. "Ich habe Sitz und Stimme im Außenministerrat. Dort geht es darum, ob neue Verhandlungskapitel mit der Türkei (einstimmig) eröffnet werden. Und da bin ich dagegen", sagte der ÖVP-Politiker dem Wiener "Kurier". Er sei dafür, alle Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen.

Auch für eine Visaliberalisierung, die die Türkei anstrebt, erfülle das Land nicht die Kriterien. Die Türkei hatte die Abschaffung von Visa für Türken in der EU zur Voraussetzung gemacht, um den Flüchtlingsdeal einzuhalten. An den Flüchtlingsdeal glaubt Kurz allerdings auch nicht mehr: "Der Flüchtlingsdeal zwischen EU und Türkei wird nicht halten", sagte er.

Sollte Erdogan tatsächlich die Todesstrafe in der Türkei einführen, wie er auf seiner bombastischen Kungebung am Sonntag in Istanbul andeutete, hätte sich das Thema EU-Beitritt für die Türkei derweil erledigt. 

bak mit Agenturen

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