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Totschweigen statt Handeln In Turkmenistan werden Bürger festgenommen, die über das Coronavirus sprechen

Der Palast des Präsidenten von Turkmenistan: Die turkmenische Regierung behauptet, keine Corona-Fälle in dem Land zu haben
Der Palast des Präsidenten von Turkmenistan: Die turkmenische Regierung behauptet, keine Corona-Fälle in dem Land zu haben
© Peer Grimm / Picture Alliance
In Turkmenistan soll die Coronavirus-Pandemie offenbar totgeschwiegen werden. Die Regierung will das Thema sogar aus Privatgesprächen verbannen – mit Staatsgewalt. Agenten belauschen die Bürger und nehmen sie fest.

In der Coronakrise hat das zentralasiatische Land Turkmenistan einen ganz eigensinnigen Weg gewählt. Totschweigen lautet hier die Devise. Die autoritäre Regierung will das Wort Coronavirus aus dem täglichen Sprachgebrauch verdrängen und verbietet nun dessen Gebrauch, berichten mehrere unabhängige lokale Medien übereinstimmend. Aus Informationsbroschüren der Behörden sei das Wort bereits getilgt worden, schreibt etwa die Zeitung "Chroniken Turkmenistans". Stattdessen sei bloß von "Krankheiten" und "akuten Atemwegserkrankungen" die Rede. 

Der lokale Radiosender "Azatlyk", ein Ableger der vom US-Kongress finanzierten Rundfunkanstalt "Free Europe", berichtet, dass die Regierung auch in privaten Gesprächen den Gebrauch des Begriffs Coronavirus zu unterbinden versucht – mit Staatsgewalt. "Agenten belauschen Gespräche in Warteschlangen, an Bushaltestellen oder in Bussen", erzählte ein Reporter. Diejenigen, die erwischt werden, würden von Beamten in Zivil abgeführt werden. Was mit ihnen weiter geschehe, wisse man nicht.

Die staatlich kontrollierten Medien schweigen sich zum Thema Coronavirus aus. "Die Weigerung, Informationen herauszugeben, gefährdet die Menschen in Turkmenistan", warnte die Organisation Reporter ohne Grenzen am Dienstag.

Auch das Tragen von Atemschutzmasken ist offenbar weitgehend verboten. In Apotheken gebe es keine Masken, in der Hauptstadt und in vielen Regionen seien keine maskierten Menschen auf den Straßen zu sehen, berichtet "Azatlyk".

Angeblich keine Corona-Fälle in Turkmenistan 

Trotz des Schweigegebots ergreift die Regierung Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus. In die Hauptstadt Aschchabad dürfen Außenstehende nicht mehr einreisen. An Bahnhöfen und anderen öffentlichen Plätzen wird den Berichten zufolge die Temperatur gemessen. An gut besuchten Orten wie Bankfilialen würden Desinfektionsmittel am Eingang bereitstehen. 

Schulen und Kindergärten bleiben jedoch geöffnet. Auch Veranstaltungen finden weiter statt. Turkmenistan ist eine der wenigen Nationen, die keine bestätigten Fälle des Virus gemeldet haben – Angaben, die von Gesundheitsexperten jedoch mit Argwohn behandelt wurden. 

In Turkmenistan leben rund sechs Millionen Menschen. Das Land liegt an der Grenze zu dem vom Sars-CoV-2-Virus besonders stark betroffenen Iran. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität sind dort bis Mittwoch mehr als 44.600 Infektionen und fast 3.000 Todesfälle gemeldet worden. 

Andere angrenzende Nationen – darunter Kasachstan, Usbekistan und Afghanistan – haben ebenfalls Hunderte von Fällen registriert.

Quellen: "Chroniken Turkmenistans""Azatlyk", Johns-Hopkins-Universität 

ivi

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