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Bereits ansteckend? TV-Auftritt, Pressekonferenz, Treffen in Golfclub: Trump reiste viel vor positivem Corona-Test

Sehe Sie im Video: Experte meint – "Trump könnte die Wahl wegen Corona-Infektion verlieren".




Nach seinem positiven Corona-Test wird US-Präsident Donald Trump von seiner Residenz aus arbeiten. Trump sei nicht arbeitsunfähig, erklärte ein Mitarbeiter des Präsidialamtes. Nach Aussage von US-Finanzminister Steven Mnuchin hat Trump "sehr leichte" Covid-19-Symptome. Für seinen Wahlkampf und seine mögliche Wiederwahl als US-Präsident könnte die Infektion mit dem Coronavirus aber gravierende Folgen haben, sagt Josef Braml, Leiter des Amerika-Programms bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik: "Trump hat jetzt ein Riesenproblem, weil er nämlich wieder mit dem Corona-Thema konfrontiert wird, das er ja verdrängen wollte, indem er mutwillig beinahe einen Bürgerkrieg angezettelt hat, Gewalt geschürt hat. Das hat alles Corona ins Abseits gedrängt. Über 200.000 Menschen sind gestorben, mehr als die vergangenen drei Kriege zusammen an Opfern gekostet haben. Die Wirtschaft liegt darnieder. Davon hat er ablenken können. Aber das wird ihm jetzt nicht mehr gelingen." Dies könne dazu führen, dass Trump die Wahl verliere, so Braml. Vieles werde jetzt davon abhängen, wie Trump die Infektion überstehe: "Sollte Trump schnell wieder genesen, wäre sein Nimbus erhalten: ihm kann nichts und niemand was anhaben. Sollte er aber dann doch länger ans Bett gefesselt sein, das Gleiche passieren wie schon Boris Johnson, dann hätte das sicherlich negative Auswirkungen. Aber ich bin kein Arzt, und wenn ich einer wäre, würde ich mich von Ferndiagnosen fernhalten. Wir müssen erst einmal sehen, was passiert. Und dann einschätzen, welche Auswirkungen das haben wird." Die Corona-Tests von US-Vizepräsident Mike Pence und seiner Ehefrau sind nach Angaben eines Sprechers negativ ausgefallen. Es gehe beiden gut, ergänzt der Sprecher auf Twitter am Freitag Auch Pence werde seine Aufgaben in seinem Wohnsitz wahrnehmen hieß es. Sein Mitarbeiterstab und der von Trump würden getrennt.
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US-Präsident Donald Trump ist in den Tagen vor seinem positiven Corona-Test viel gereist und war dabei in der Nähe Dutzender Menschen. Unklar ist, wie lange Trump in dieser Zeit bereits ansteckend gewesen sein könnte. 

Für Aufsehen sorgte die Entscheidung, am Donnerstagnachmittag noch zu einem Treffen mit Spendern in New Jersey zu fahren, nachdem im Weißen Haus bereits der positive Test von Trumps Beraterin Hope Hicks bekannt war. Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany sagte auf Anfrage von Journalisten nicht, wer dies entschieden hatte. Nach Medienberichten war das Treffen in Trumps Golfclub in Bedminster nicht nur unter freiem Himmel - sondern es gab laut Teilnehmern auch ein Treffen im engeren Kreis mit besonders großzügigen Spendern.

Auch am Mittwoch hatte sich Trump bei einer Reise in den Bundesstaat Minnesota mit Spendern getroffen. Bisher wurde nicht bekannt, wie viele Personen an der Veranstaltung in einem Privathaus teilnahmen. Am Abend hielt er noch eine seiner Wahlkampf-Reden am Flughafen der Stadt Duluth - die aber deutlich kürzer ausfiel als vorherige Ansprachen.

Ohne Masken, ohne Abstand

Am Dienstagabend stand Trump auf der Bühne in Cleveland bei der ersten TV-Debatte mit seinem Herausforderer Joe Biden. Trumps Familienmitglieder waren unter den wenigen Dutzend Zuschauern, sie nahmen entgegen den Vorgaben der Veranstalter die Masken ab, sobald sie an ihren Plätzen waren. Bei Biden, der mehrere Meter von Trump entfernt stand, fielen am Freitag zwei Corona-Tests negativ aus.

Am Montag sah sich Trump einen Elektro-Pickup neben dem Weißen Haus an und sprach über ein Coronavirus-Testprogramm. Am Sonntag spielte er Golf und gab eine Pressekonferenz im Weißen Haus.

Unter verstärkte Aufmerksamkeit gerät die Vorstellung von Trumps Kandidatin für das Oberste Gericht der USA, Amy Coney Barrett, am Samstag im Garten des Weißen Hauses. Dort versammelten sich auf engem Raum mehr als 100 Personen, auf Fotos und Videoaufnahmen ist zu sehen, dass viele keine Masken trugen und keinen Abstand hielten. Bei mindestens sechs der Anwesenden fielen seitdem Corona-Tests positiv aus: Neben Trump und seiner Frau Melania sind das die Senatoren Mike Lee und Thom Tillis, die ehemalige Präsidentenberaterin Kellyanne Conway und der Präsident der katholischen Universität Notre Dame, John Jenkins.

ky AFP

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