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Podcast "Ukraine – die Lage" Sicherheitsexperte Mölling: Angriffe auf iranische Drohnen-Lieferungen möglich

Iranische Drohnen bei einer Militärübung im Iran
Iranische Drohnen bei einer Militärübung im Iran
© - / Iranian Army / AP / DPA
Der Ukraine-Krieg könnte sich ausweiten. Sicherheitsexperte Christian Mölling glaubt, dass die iranischen Waffensysteme zum Angriffsziel werden könnten – und zwar genau dann, wenn sie an Russland geliefert werden.

Der Sicherheitsexperte Christian Mölling hält eine Ausweitung des Ukraine-Konflikts auf die Lieferwege für iranische Waffensysteme für möglich. Mölling sagte am Dienstag im stern-Podcast "Ukraine – die Lage", Russland suche händeringend nach Möglichkeiten, sich neue Raketen und Drohnen etwa im Iran oder Nordkorea zu beschaffen. Es gebe Hinweise, dass dies auch gelingen könne. Zu den Folgen sagte der Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik: "Die Frage ist aber auch, ob das möglicherweise zu einer weiteren Internationalisierung des Krieges führt, weil andere Staaten sagen, das werden wir versuchen zu unterbinden – möglicherweise auch durch einen legitimen Angriff auf den Iran." Ein solcher Angriff werde sicher nicht von der Nato ausgeführt.

"Ich kann mir vorstellen, dass Israel sich das möglicherweise zu eigen macht", sagte Mölling. Er verwies darauf, dass die Drohnen aus Iran über das Kaspische Meer nach Russland gebracht werden könnten – und auf dem Weg dorthin Kommandooperationen denkbar seien, um sie zu stoppen. Neben Israel komme auch die Ukraine selbst als Akteur infrage, die ja offenbar über Unterwasserdrohnen verfüge.

Weitere Angriffe Russlands erwartet

Mölling ging davon aus, dass Russland alles unternehmen werde, damit es die Angriffe auf die Infrastruktur der Ukraine fortsetzen könne. Offenbar sei dies jedoch nicht einfach. "Wenn wir jetzt schon die Nachricht haben, dass sie von Raketen, die eigentlich atomar bestückt werden können, die Sprengköpfe abschrauben und sie leer losschicken, um die ukrainische Luftabwehr zu überlasten, dann zeigt das, dass man nicht mehr wahnsinnig viele Handlungsoptionen hat", erklärte der Experte. Möglicherweise würden die Russen ihre Ziele sorgfältiger auswählen, um Raketen zu sparen. So könnten sie etwa gegen Anlagen vorgehen, die gerade instandgesetzt worden seien. "So lange Russland es noch kann, wird es weiter versuchen, die Infrastruktur zu zerstören", erwartet der Politologe.

Hilfe bei Instandsetzung schwierig

"Es ist eine dramatische Situation", sagte er. "Die humanitäre Katastrophe, auf die wir zusteuern, ist real." Mölling rechnet damit, dass dies weitere Menschen zur Flucht aus unbewohnbaren Gebieten zwingen wird. Zugleich sei die Unterstützung der Ukraine bei der Aufrechterhaltung der Versorgung mit Strom, Wasser und Heizung nicht einfach. So würden in den westlichen Staaten keine großen Mengen von Generatoren und anderen jetzt benötigten Ausrüstungen vorgehalten. Auch sei es für die Techniker gefährlich, das vorhandene Material in der Ukraine zu installieren. "Da ist eine große Herausforderung."

cl

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