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Ultimatum in Thailand verstrichen: Bangkok bleibt ein Pulverfass

Nach heftigen Kämpfen mit Dutzenden Toten am Wochenende ließen die Regierungsgegner erneut ein Ultimatum der Armee verstreichen. Tausende Oppositionelle halten hinter Barrikaden ihre Stellung.

Der Kampf um die Macht in Thailand bleibt dramatisch: In Bangkok haben sich rund 5000 Oppositionelle hinter brennenden Barrikaden und Wällen aus Sandsäcken vor der Armee verschanzt. Sie ließen ein Ultimatum der Regierung verstreichen, die gefordert hatte, das Geschäftsviertel bis Montagnachmittag zu räumen.

Stattdessen feuerten die Regierungsgegner mit Feuerwerkskörpern und selbst gebauten Raketen auf Militär-Hubschrauber, die Flugblätter mit einem Angebot zu freiem Geleit abwarfen. In dem Gebiet hielten sich nach wie vor auch Frauen und Kinder auf. "Wir bleiben friedlich hier", sagte Jatuporn Prompan, ein Anführer des Oppositionsbündnisses UDD. "Wenn die Regierung Demonstranten erschießt, löst das die Probleme nicht."

Die Demonstranten hatten Verhandlungen angeboten, falls die Soldaten abgezogen würden - allerdings nur bei Vermittlung durch UN-Diplomaten. Die Regierung verlangte ihrerseits einen ersten Schritt der Demonstranten: "Die Rothemden müssen das Protestgelände räumen und dürfen Soldaten und Unschuldige nicht mehr angreifen", entgegnete ein Regierungssprecher.

Lebensmittel im besetzten Viertel werden knapp

Für die Menschen, die dort seit Ostern kampieren, wird die Lage immer unangenehmer. Es ist zusehends schwieriger, Nahrungsmittel und Wasser zu besorgen. Ein Protestführer warnte die Demonstranten vor Plünderungen: "Sonst hassen uns die Leute." In dem Geschäftsviertel leben nach Regierungsangaben noch mehr als 30.000 Menschen. Auch die deutsche Botschaft ist betroffen: Nachdem am Wochenende auch auf einer Kreuzung in direkter Nähe geschossen worden war, stellte die Vertretung ihren Publikumsverkehr ein. Ein Notdienst für Deutsche wird jetzt aus den Räumen der französischen Botschaft sichergestellt.

Derweil weitete sich der Konflikt auch auf weitere Landesteile aus. In den Provinzen Phayao und Ubon Ratchathani im Norden und Nordosten setzten Demonstranten aus Solidarität mit den Rothemden Reifen in Brand. Der Ausnahmezustand wurde daraufhin auf 22 Provinzen ausgedehnt, Versammlungen von mehr als fünf Menschen sind seitdem verboten.

Verletzter General gestorben

Seit Donnerstagabend waren mehr als 35 Menschen bei den Auseinandersetzungen getötet worden. Inzwischen steht auch der Name eines Oppositionsführers auf den Opferlisten: Ex-General Khattiya Sawasdipol erlag seinen Kopfverletzungen, teilten Rettungskräfte in Bangkok mit. Der auch Seh Daeng genannte 58-Jährige hatte in den vergangenen Wochen die sogenannten Rothemden in ihrem erbitterten Protest gegen die Regierung unterstützt. Er war am Donnerstag bei einem Gespräch mit ausländischen Journalisten von einem Scharfschützen getroffen worden. Wer für die Schüsse verantwortlich war, blieb zunächst unklar.

Am Wochenende herrschten chaotische Zustände in der thailändischen Hauptstadt. Militanten Aktivisten war es immer wieder gelungen, die Sperren zu umgehen und neue Brandherde zu schüren. Die oppositionellen Rothemden verlangen den Rücktritt der Regierung. Das Angebot von Neuwahlen im November nahmen sie vergangene Woche zwar an, doch brachten sie die Lösung schließlich mit immer neuen Forderungen zum Scheitern.

AFP/DPA/APN/Reuters / DPA / Reuters
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