UN-Klimakonferenz "Handeln, Handeln, Handeln"


Wüstenbildung, Wirbelstürme, Überschwemmungen, schmelzende Gletscher: Der Eröffnungsfilm zeigte den Staats- und Regierungschefs beim Klimagipfel die Folgen des Klimawandels. Den vielen Absichtserklärungen sollen nun beim Folgetreffen auf Bali Taten folgen.

Bilder können bekanntlich oft weit mehr sagen als Worte. Zu Beginn der Klimaschutzkonferenz in New York zeigte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den Vertretern von etwa 150 Staaten - darunter mehr als 80 Staats- und Regierungschefs - einen Kurzfilm. Zur Einstimmung auf zehnstündige Beratungen führte er den Delegierten in knapp acht Minuten noch einmal vor Augen, worum es eigentlich geht: Wüstenbildung, Wirbelstürme, Überschwemmungen, schmelzende Gletscher. Der Film hat den Titel "Der Weg vorwärts - dem Klimawandel entgegentreten". Das Fazit lautete: Es gibt keine Zeit zu verlieren. "Wir müssen zusammen handeln, und wir müssen jetzt handeln", heißt es in dem Film. Das sollte bis zum Schluss die Hauptbotschaft der Konferenz bleiben.

"Historisches Ereignis"

Dass das Treffen in der UN-Zentrale am East River keine konkreten Ergebnisse bringen würde, war schon vorher klar. Das wichtigste Resultat war, dass die Konferenz überhaupt stattfand - an diesem Ort und in diesem Format. Noch nie zuvor hatten sich so viele Staats- und Regierungschefs getroffen, um über den Klimawandel zu beraten. Alleine das veranlasste Gastgeber Ban dazu, auf der Abschluss-Pressekonferenz von einem "bahnbrechenden, historischen Ereignis" zu sprechen. Die Anwesenheit der zahlreichen Staats- und Regierungschefs habe gezeigt, dass der Kampf gegen den Klimawandel auf der höchsten politischen Ebene angesiedelt werden müsse. "Sie haben ein klares Signal an die Menschen in aller Welt gesendet, dass der Klimawandel die Aufmerksamkeit erhält, die er verdient."

Bundeskanzlerin Angela Merkel verstand die Botschaft der Konferenz ähnlich: Zum Abschluss des UN-Klimagipfels in New York würdigte Merkel am Montagabend (Ortszeit) vor allem die Bewegung der US-Regierung. Sie verwies darauf, dass sich US-Außenministerin Condoleezza Rice klar zu Klimaschutzverhandlungen unter dem Dach der Vereinten Nationen bekannt habe. "Gemessen an dem, wo wir vor einiger Zeit standen, ist das ein Riesenfortschritt", sagte Merkel. In ihrer Rede hatte sie deutliche Worte gefunden: "Der Klimawandel wird zu dramatischen Schäden führen, wenn wir nicht entschlossen handeln."

Wohlstandseinbußen bis 20 Prozent

Merkel verwies auf die wachsenden Gefahren durch Überflutungen und Dürrekatastrophen und auf erwartete Wohlstandseinbußen von bis zu 20 Prozent. Die Kanzlerin erneuerte ihren Vorstoß, in Zukunft jedem Menschen auf der Welt nur noch die gleiche Menge an Kohlendioxid- Ausstoß zuzugestehen. Im Gegensatz zur momentanen Haltung der USA sprach sie sich auch für verbindliche Reduktionsziele und für einen weltweiten Emissionshandel aus. "Deutschland ist bereit, zum Klimaschutz seinen Beitrag zu leisten", so ihr Fazit.

Ban sagte, die Wissenschaft habe die Gefahren der Erderwärmung klar genug belegt. "Die beispiellose Herausforderung durch den Klimawandel verlangt ein beispielloses Handeln", rief der UN-Chef den Teilnehmern zu. Keine Nation könne die Probleme alleine bewältigen. "Das ist genau die Art von globaler Herausforderung, für die die Vereinten Nationen am besten geeignet sind." Ban, der den Klimaschutz zu einem seiner Hauptanliegen erklärt hat, wollte mit der Konferenz ein klares Signal für die Verhandlungen über die Fortschreibung des Kyoto-Protokolls im Dezember in Bali setzen. Dort müsse es einen "klaren Durchbruch" geben, forderte er.

USA bei Abbau der Treibhausgase widerborstig

Die Kanzlerin zeigte sich überzeugt, dass Klimaschutz und Wirtschaftswachstum durchaus vereinbar sind. "Wenn wir weltweit auf einen nachhaltigen Entwicklungspfad setzen, verzichten wir nicht auf Wohlstand. Wir erzeugen ihn auf eine andere Weise", sagte sie. US-Außenministerin Condoleezza Rice bekannte sich klar zu einem Klimaschutz unter dem Dach der Vereinten Nationen, machte aber deutlich, dass die USA mehr auf neue Technologien als auf den Abbau von Treibhausgasen setzen: "Unsere Bemühungen (...) sind auf die technologische Entwicklung ausgerichtet."

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy forderte mit Blick auf die Bali-Konferenz klare Ziele für den Abbau der Treibhausgase. "Die Vorgabe von minus 50 Prozent bis zum Jahr 2050 muss absolute Priorität haben, um eine Weltkatastrophe zu vermeiden", sagte er. Nicht zu handeln, wäre "kriminell". Nach Ansicht des früheren US-Vizepräsidenten und Umweltaktivisten Al Gore ist ein "Globaler Marshall-Plan" - entsprechend dem amerikanischen Hilfsplan für Europa nach dem Krieg - nötig, um den Klimawandel und die Armut in der Welt zu bekämpfen. "Wir können einfach nicht länger warten. Wir können nicht weiter business as usual machen."

Als erster Redner der Konferenz hob der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen einer "grünen" Politik hervor. In Kalifornien seien allein in diesem Jahr mehr als 1,1 Milliarden Dollar (rund 800 Mio Euro) in saubere Technologien investiert worden. "Reiche und arme Länder haben unterschiedliche Verpflichtungen. Aber eine Verpflichtung haben wir alle gemeinsam: Handeln, Handeln, Handeln", sagte er.

Die hochrangige Besetzung des Treffens sei ein "großer Erfolg" auf dem Weg zu einem Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das in fünf Jahren ausläuft. Die Konferenz sei auch "ein ganz wichtiges Signal" an die Umweltminister, die sich im Dezember auf Bali treffen, um einen Fahrplan für die Erarbeitung der Vereinbarung festzulegen.

Bush kam nur zum Abendessen

Ganz ungetrübt blieb die Freude über den Verlauf der Konferenz allerdings nicht. Ausgerechnet der Staatschef des Landes mit dem höchsten CO2-Ausstoß blieb dem Treffen fern. US-Präsident George W. Bush reiste zwar am Montag von Washington nach New York, ließ sich bei der Konferenz aber von Außenministerin Condoleezza Rice vertreten. Bei einem Abendessen auf Einladung Bans nahm er neben Merkel Platz. Dabei soll Bush jedenfalls klargestellt haben, dass er auf dem Weg zu einem neuen internationalen Klimaabkommen nicht die Rolle eines Quertreibers einnehmen will. In der zweiten Wochenhälfte veranstaltet Bush eine weitere Klimakonferenz in Washington. Dazu sind Vertreter der 16 Staaten mit dem höchsten CO2-Ausstoß und die EU eingeladen. Kritiker sehen in dieser Initiative den Versuch, der UN bei ihren Bemühungen Konkurrenz zu machen.

AP/DPA AP DPA

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