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US-Vorwahlen: Wenn Hillary und Barack verschmelzen

Seit Monaten liefern sich Hillary Clinton und Barack Obama ein erbittertes Duell um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten - wie jetzt auch in Texas und Ohio. Der Kampf zermürbt die Partei - und stärkt die Republikaner. Weshalb versuchen es die beiden eigentlich nicht gemeinsam? Eine Beziehungsanalyse von Malte Arnsperger.

"Ich bin eine Bi-Kandidatin: ich mag beide, Hillary und Obama", schreibt Margaret Cho auf "Huffington Post", einem bekannten politischen US-Blog. "Ich kann mich nicht entscheiden. Die einzige Möglichkeit, wie ich glücklich sein kann, ist, wenn Obama und Clinton zusammen antreten. Bitte Gott, lass dies geschehen." Natürlich wenden sich nicht alle Anhänger der Demokraten in ihrer Not gleich an den Himmel. Aber nichtsdestotrotz wird hinter den Kulissen der Partei darüber diskutiert, wie der erbitterte Kampf zwischen Hillary Clinton und Barack Obama um die Präsidentschaftskandidatur entschärft werden könnte, berichtet etwa die "US-News and World".

Denn: Seit Monaten ringen die beiden Bewerber um jeden Delegierten. Sie geben Millionen von Dollar aus, lassen nichts unversucht, um den Konkurrenten auszustechen und greifen dafür auch in die Kiste mit den fiesen Tricks. Diese Schmutzkampagne beschädigt aber beide und spielt dem wahrscheinlichen republikanischen Kandidaten John McCain in die Karten. Es könnte zudem noch ein paar Wochen so weitergehen, wenn bei den anstehenden Wahlen in Ohio und Texas keine Entscheidung fällt.

Das ideale Gespann der Demokraten?

Warum also begraben Hillary Clinton und Barack Obama nicht ihr Kriegsbeil und kämpfen gemeinsam? Einer als Präsidentschaftskandidat der andere als möglicher Vizepräsident. Sie wären ein absolutes Traumpaar. Eine politische Großmacht. Die erfahrene frühere First-Lady und der jugendlich wirkende charismatische Schwarze. Die detailverliebte Kühle und der redebegabte Menschenfänger. Sie wäre zuständig für die Tagespolitik, für die harten Verhandlungen. Er für den Kontakt zu den Bürgern, für die großen Visionen. Ein scheinbar ideales Gespann der Demokraten für die US-Präsidentschaftswahl. Sie wären wohl unschlagbar.

Doch Politik funktioniert anders - deshalb die - für viele ernüchternde Antwort vorneweg: Es sprechen zu viele Gründe dagegen. Es wird wohl keine politische Ehe dieser zwei geben.

Aber der Reihe nach. Zunächst zu einem sogenannten "Ticket" unter der Führung von Barack Obama: Hillary Clinton als Vizepräsidentin? Niemals. Ausgeschlossen. Eine Clinton stellt sich nicht in die zweite Reihe - nicht wieder. Schon während der Präsidentschaft ihres Mannes Bill musste sich die durchaus macht- und geltungshungrige Hillary mit einer Nebenrolle begnügen und sich hinter den Kulissen mit dem damaligen Vizepräsidenten Al Gore herumschlagen. Sie ist mittlerweile 60 Jahre alt, eine hochangesehene Senatorin, hat in ihrem Leben (fast) alles erreicht und würde sich nie einem politischen Newcomer wie Barack Obama unterordnen. Auch wenn sie - wie auch ihr Mann - unbedingt dabei sein will, den verhassten George W. Bush wieder aus "ihrem" Weißen Haus zu vertreiben. Für Hillary heißt es in diesem Jahr: alles oder nichts. Und selbst wenn sie wollte: Dass sich Obama für Clinton als Vizepräsidentin entscheiden würde, ist höchst unwahrscheinlich. Vor allem, weil er seine wichtigste Waffe, sein Versprechen von einem echtem Neuanfang, beschädigen würde. Denn mit Bill und Hillary würde er sich zwei der umstrittensten aber auch einflussreichsten Politiker der USA ins Boot holen. Ein Alptraum für den im Vergleich zu den Clintons noch recht unerfahrenen Obama. Die politische Maus Obama würde Gefahr laufen erdrückt zu werden von diesen Polit-Elefanten. Läuft es gut heißt es: Klar, die Clintons helfen ihm ja auch. Läuft es schlecht, heißt es: Der kann es nicht, lasst die Clintons ran. Es wäre ein ungelenker politischer Dreier im Weißen Haus. Nein, in diese Lage wird sich Obama nicht bringen.

Obama als zweiter Mann im Weißen Haus

Die geballte Clinton-Power ist auch ein wesentlicher Grund, der gegen eine Vizepräsidentschaft Obamas unter Clintons Führung spricht. Denn natürlich müsste sich Obama als zweiter Mann im Weißen Haus neben Bill mit eben diesem um ein Ohr - sprich Einfluss - bei Präsidentin Hillary balgen. Keine besonders ermutigenden Aussichten.

Obwohl doch so viel für diese Variante sprechen würde. Obama könnte in vier, oder gar acht, Jahren im Weißen Haus seine offenen politischen Flanken schließen. Denn vor allem in punkto Erfahrung, etwa in außenpolitischen Fragen, und Führungsverantwortung hat der Polit-Popstar noch erhebliche Defizite. Für Hillary Clinton wäre ein "running mate" Obama wie ein Sechser im Lotto. Sie könnte im Wahlkampf gegen den wahrscheinlichen republikanischen Kandidaten John McCain von Obamas gerade zu magnetischer Anziehungskraft bei jungen und schwarzen Wählern profitieren.

Doch es ist sehr zweifelhaft, ob es für Obama Sinn macht, sich womöglich acht Jahre lang hinten anzustellen. Als Senator wird er mit Sicherheit nach der Wahl im Herbst eine wesentlich wichtigere Rolle im Kongress spielen und auch so an Statur gewinnen. Er hat bislang einen sensationellen Wahlkampf geliefert, ist landessweit bekannt und hat sich in die oberste Liga der Politprominenz katapultiert. Er muss nun in den kommenden Jahren nur seine Glaubwürdigkeit bewahren und sich einen breiten Rückhalt in der eigenen Partei erarbeiten. Egal, ob bei der Wahl 2012 oder erst 2016: Obama wird, sollte er denn antreten, auch ohne Erfahrung als Vizepräsident ein äußerst potenter Bewerber werden.

Im Übrigen besitzt ein amtierender Vizepräsident als Kandidat nicht automatisch eine Siegesgarantie. Dies zeigte sich im Jahr 2000, als George W. Bush gewann. Der Verlier: Clintons Vizepräsident Al Gore