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Unruhen in den USA: Uniformen ohne Abzeichen und Namen: mysteriöse Sicherheitskräfte in Washington im Einsatz

Nationalgarde, lokale Polizei, State Police, Militärpolizei und und und – fast unüberschaubar ist die Zahl an US-Sicherheitsbehörden. Nun sorgen Bilder von nicht identifizierbaren Einheiten für Beunruhigung. Das steckt hinter der mysteriösen Truppe.

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Sie tragen dunkle Uniformen, stehen in Reih und Glied, haben Schutzschilde vor sich und blicken finster auf Demonstranten in der Nähe des Weißen Hauses – und sie lösen vor allem Sorgen und Beunruhigung aus. Denn einige Sicherheitskräfte, die während der Unruhen in den USA nach dem Mord an George Floyd unter anderem in der Hauptstadt Washington eingesetzt wurden, tragen keine sichtbaren Embleme, keine Namensschilder oder Nummern, keine Kennzeichnung. Kurz: Niemand weiß, wer da auf der Straße steht und für Ordnung sorgen soll.

Welche Einheiten sind in den USA im Einsatz?

In den sozialen Medien wird heftig diskutiert: Läuft dort eine Geheimoperation? Handelt es sich um Mitarbeiter einer private Sicherheitsfirmen wie "Academie", dem früheren "Blackwater"? Sind gar Paramilitärs in den Vereinigten Staaten im Einsatz?

Fest steht, dass es sich bei den Uniformierten weder um Angehörige der Nationalgarde noch um Beamte der örtlichen Polizei handelt – sie tragen im Einsatz andere Kleidung und sind in der Regel mindestens durch Abzeichen gekennzeichnet. Die mysteriösen Sicherheitskräfte scheinen jedoch ihre Zugehörigkeit zu verschleiern.

Ein Reporter des US-Magazins "Mother Jones" schildert, dass die Beamten auf den Straßen von Washington auf Nachfrage lediglich geantwortet hätten, sie seien "von der Bundesregierung" oder "vom Justizministerium", präziser hätten sie sich jedoch nicht identifizieren wollen.

Später habe ein Sprecher des US-Justizministeriums dem Journalisten bestätigt, dass es sich bei den Uniformierten um "Bereitschaftsteams" des Federal Bureau of Prisons (BOP) handele. Sie seien von Justizminister William Bar angewiesen worden, in Washington und Miami die örtlichen Sicherheitskräfte beim Umgang mit den Protesten zu unterstützen.

"Hochqualifizierte taktische Einheiten"

Dem US-Magazin "Daily Beast" sagte ein Sprecher des BOP, es handele sich bei den entsandten Kräfte um "Special-Operations-Reaktionsteams", "hochqualifizierte taktische Einheiten, die in der Lage sind, auf Störungen im Gefängnis zu reagieren und anderen Strafverfolgungsbehörden in Notfällen Unterstützung zu bieten". 

Ob die Beamten angehalten wurden, ihre Zugehörigkeit zu verschleiern, sagten die Sprecher nicht. Tatsächlich wäre dies jedoch ohnehin nicht allen der Sicherheitskräfte gelungen. Auf einem Foto der Uniformierten, dass der NBC-Journalist Garrett Haake geteilt hat, ist auf einer Brust ein Abzeichen zu sehen, dazu existieren weitere Fotos von Beamten mit jenem Emblem.

Dabei handelt es sich um das Logo der "Disturbance Control Team", einer Eingreiftruppe für besondere Vorkommnisse im Gefängnisbetrieb. Dem Sender CBS bestätigte das BOP den Einsatz solcher Einheiten. Wie viele der Beamte in Miami und Washington eingesetzt wurden und welche Rechte sie konkret haben, ist weiterhin unklar.

Die Präsenz von Sicherheitskräften, deren Zugehörigkeit sich nicht oder nur sehr umständlich aufklären lässt, sorgt für Empörung. Zwar handelt es sich weder um Angehörige von privaten Sicherheitsfirmen oder Paramilitärs, unter anderem für den demokratischen US-Senator Chris Murphy ist ein solches Auftreten von Uniformierten jedoch nicht hinnehmbar. "Wir können keine amerikanische Geheimpolizei tolerieren", teilte er mit und kündigte an, er plane ein Gesetz, das vorschreibe, "dass uniformierte Bundesbeamte, die im Bereich der inneren Sicherheit arbeiten, klar zeigen, welche militärische Abteilung oder welche Behörde sie repräsentieren".

Quellen: "Mother Jones", "Daily Beast", Garrett Haake, Federal Bureau of Prisons, CBS, Chris Murphy

wue