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Vermisstes Mädchen: Madeleine spurlos verschwunden

Von dem dreijährigen britischen Mädchen, das an der Algarve vermisst wird, fehlt jede Spur. Bei der Suche nach Madeleine gibt es mittlerweile auch prominente Unterstützung von Fußballstar Cristiano Ronaldo.

Das Verschwinden eines dreijährigen britischen Mädchens aus einem Hotel an der Algarve erschüttert Einheimische und Touristen in der portugiesischen Urlaubsregion. Trotz intensiver Suche fehlt von der kleinen Madeleine seit Tagen jede Spur - die Polizei geht von einer Entführung aus. Britische Ermittler unterstützen ihre portugiesischen Kollegen bei der Fahndung. Ein ergreifender Appell, den Madeleines Eltern an die mutmaßlichen Entführer richteten, verhallte scheinbar ungehört. Das Mädchen war am Donnerstag vergangener Woche aus dem Appartement einer Luxusanlage in Praia da Luz verschwunden, während seine Eltern in der Nähe zu Abend aßen. "Wir haben Hinweise auf eine Entführung", sagte Polizeisprecher Guilhermino Encarnacao am Wochenende auf einer Pressekonferenz. Die Ermittler hätten ein Täterprofil erstellt. Zu Einzelheiten wollte sich Encarnacao nicht äußern, "um das Leben des Kindes zu retten".

"Wenn Sie Madeleine haben, lassen Sie sie bitte zurück zu ihrer Mama, ihrem Papa, ihrem Bruder und ihrer Schwester", sagte der Vater des Mädchens, Gerry McCann am Freitag. Drei Tage später flehte seine Frau: "Bitte, bitte, tun Sie ihr nicht weh. Bitte verängstigen Sie sie nicht, bitte lassen Sie uns wissen, wo wir Madeleine finden können", sagte Kate McCann. "Bitte geben Sie uns unser kleines Mädchen zurück." Doch Madeleine gilt weiter als vermisst. "Ich kann mitfühlen, was die Eltern durchmachen", sagt der 45-jährige Luis Nogueira, der einen Tennisclub an der Algarve leitet und zwei Söhne hat.

"So etwas passiert hier normalerweise nicht"

Restaurantbesitzerin Paula Gama räumt ein, dass sie Angst um ihr jüngstes Kind habe. Nach wie vor erlaube sie ihren drei Söhnen, mit den Kindern der Gäste im Garten zu spielen, aber sie bitte die beiden Älteren, auf ihren zweijährigen Bruder aufzupassen. Überall in der Gegend - in den Schaufenstern, in Bars und Cafés, an Laternenmasten - hängen Fotos von Madeleine. In englischer und portugiesischer Sprache werden die Menschen um Hinweise zum Verbleib des Mädchens gebeten. In einer Kneipe diskutieren die Gäste darüber, ob die örtliche Polizei genug zur Aufklärung des Falls unternimmt. "Wir haben nicht viel Erfahrung mit solchen Dingen, weil so etwas hier normalerweise nicht passiert", sagt der Gastwirt Jorge Alexandre.

Die Einheimischen befürchten, dass Madeleines Verschwinden den Ruf der Algarve als sicheres Urlaubsziel beschädigen könnte. Jedes Jahr kommen rund zehn Millionen Touristen in die Küstenregion, allein fünf Millionen davon aus Großbritannien. Der Tourismus ist für die Menschen an der Algarve die Haupteinnahmequelle. Als Reaktion auf die mutmaßliche Entführung des britischen Mädchens stoppte das Fremdenverkehrsamt eine Werbekampagne, die in der kommenden Woche in London anlaufen sollte. Doch manch einer hält die Sorge vor einem Rückgang der Touristenzahlen für unbegründet. "Natürlich überlegen sich die Leute jetzt zwei Mal, ob sie mit ihren Kindern hierher kommen", sagt die Britin Denise Findlay, die sich in der Gegend niedergelassen hat. "Aber wer die Algarve kennt, macht sich keine Sorgen", glaubt die 41-jährige Mutter.

Fußballstar Cristiano Ronaldo hat sich eingeschaltet

Unterstützung gibt es auch von prominenter Seite. Der portugiesische Fußballstar Cristiano Ronaldo hat sich in den Fall eingeschaltet. In einer im Fernsehen veröffentlichten Erklärung appellierte der Spieler von Manchester United an die Täter, das Mädchen freizulassen. "Wenn Sie irgendeine Information haben, bitte geben sie sie uns", sagte er an die Bevölkerung gerichtet. "Das ist sehr wichtig für uns alle." Die Polizei erklärte, sie sei bereits hunderten Hinweisen nachgegangen und habe 500 Wohnungen in dem Urlaubsort und in der Umgebung durchsucht. Einzelheiten nannte sie nicht.

Barry Hatton/AP/Reuters / AP / Reuters