HOME

Verstorbener Despot Nijasow: Trauer um "Vater und großen Führer"

In Turkmenistan haben die Menschen im Beisein zahlreicher ausländischer Gäste Abschied von dem gestorbenen Alleinherrscher Saparmurad Nijasow genommen. Vor dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Aschchabad bildeten sich kilometerlange Schlangen.

"Wir trauern um unseren Vater und einen großen Führer", sagte eine Frau dem russischen Fernsehen. Tausende Menschen haben in der turkmenischen Hauptstadt Aschgabat Abschied vom verstorbenen Präsidenten Saparmurat Nijasow genommen. Der Leichnam wurde im Präsidentenpalast aufgebahrt, anschließend wurde Nijasow in seiner Heimatstadt Kiptschak beigesetzt.

An der Trauerfeier nahmen Vertreter von rund 40 ausländischen Regierungen teil, darunter die Ministerpräsidenten Russlands und der Ukraine, Michail Fradkow und Viktor Janukowitsch. Die USA wurden von Unterstaatssekretär Richard Boucher vertreten. In langen Schlangen defilierten die Trauergäste an Nijasows offenem Sarg vorbei, viele hielten Blumen in den Händen. "Er war alles für uns", sagte eine Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte.

Kinder durften nicht draußen spielen

In Kiptschak wurde der Sarg in eine turkmenische Flagge gehüllt in die Erde hinabgelassen. Nijasow hat in seiner Heimatstadt, rund 15 Kilometer von Aschgabat entfernt, die größte Moschee Zentralasiens sowie ein Mausoleum für seine Familie errichten lassen. Am Samstag setzten die turkmenischen Sicherheitskräfte mit harter Hand die Staatstrauer für den Präsidenten durch, der am Donnerstag im Alter von 66 Jahren überraschend einem Herzleiden erlag. Die Straßen von Aschgabat waren leer, Kinder durften nicht draußen spielen und Verkäufer auf Märkten wurden angewiesen, Hüte oder Schleier zu tragen und nicht allzu laut zu sprechen oder zu lachen.

An den Zufahrtsstraßen am Rande der Hauptstadt wurden Kontrollposten verstärkt, Hochzeiten, Sportveranstaltungen und andere Feierlichkeiten wurden abgesagt. Nijasow regierte das Land seit 1985 mit eiserner Hand und hatte einen umfangreichen Personenkult um sich aufgebaut, in dem er sich als "Vater aller Turkmenen" (Turkmenbaschi) verehren ließ. Seine Nachfolge hat er nicht geregelt. Am kommenden Dienstag soll das höchste gesetzgebende Organ des Landes, der Volksrat, den Termin für die Wahl seines Nachfolgers festsetzen.

Benjamin Harvey/AP / AP