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Ausstellung in Düsseldorf: Volker Krämer, ein Spezialist für die Wirklichkeit – die Anfänge des legendären stern-Fotografen

Seine Bilder gingen um die Welt: Volker Krämer fotografierte leidenschaftlich, erst für die "Rheinische Post", dann für den stern. Seine frühen Schwarz-Weiß-Fotografien sind nun in Düsseldorf zu sehen.

Von Fatma Şahin

Volker Krämer: Ausstellung in Düsseldorf - Ein Spezialist der Wirklichkeit

Während alle Blicke auf die Wagenkolonne der Queen gerichtet sind, blickt Volker Krämer durch den Sucher seiner Kamera in die andere Richtung. Dorthin, wo die Menschen stehen und die wahren Emotionen zu sehen sind. Mit einem Klick verewigt er die neugierige Menschenmasse, die gespannt auf die Queen wartet, darunter zwei Kinder, die völlig versteinert dastehen und den Rummel nicht verstehen. Eine Momentaufnahme – genau für die ist stern-Fotograf Volker Krämer bekannt.

Das Foto machte er für die "Rheinische Post". Hier fing er eine Ausbildung als Verlagskaufmann an. Schnell bemerkten die Blattmacher, welches Talent in dem 25-Jährigen schlummert. Sie setzten ihn als Lokalfotograf ein. Als erster festangestellter Fotograf der "Rheinischen Post" zog Volker Krämer täglich durch die Straßen von Düsseldorf.

Die winzigen Details in seinen eindrucksvollen Bildern

"In der Ausstellung sind viele Fotos dabei, die ich vorher nicht so genau betrachtet hatte", sagt Felix Krämer, der Sohn des stern-Fotografen. Der Kunsthistoriker und Kurator arbeitet derzeit als Generaldirektor und künstlerischer Leiter der Stiftung Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Zuvor leitete er die Sammlung Kunst der Moderne am Städel Museum. Ein Besucher der Ausstellung wies ihn während der Eröffnung auf ein paar winzige Details hin, die in den Fotografien seines Vaters versteckt sind – so zum Beispiel auf einem Foto einer überfluteten Straße in Düsseldorf. Rechts auf dem Bild ist ein Lkw zu sehen mit der Aufschrift "Kühlwasser flüssig". Der Ford, der durch die Mitte des Bildes scheppert, nannte das Volk seinerzeit "Badewanne". "Ob dieses Foto zufällig entstanden ist oder ob mein Vater so lange gewartet hat bis dieses Auto vorbeifährt, weiß ich nicht, aber die Kombination gibt dem Foto eine besondere Bedeutung", sagt Felix Krämer.

Volker Krämer, ein Spezialist für die Wirklichkeit – die Anfänge des legendären stern-Fotografen

Volker Krämer versteckte winzige Details in seinen Fotos. Nur wer genau hinsieht erkennt, dass sich der Fotograf selbst in das Bild eingeschlichen hat.

Einen Namen machte sich Volker Krämer mit seinen Fotos aus Prag 1968, die auch in der Ausstellung zu sehen sind. Zufällig befand er sich in der Stadt, als die sowjetischen Panzer einfuhren. Mit zwei Filmrollen in der Tasche, für die Urlaubsfotos, besuchte er seine Großmutter. Als die Menschen demonstrierten, ging er sofort auf die Straße – die Fotos gingen anschließend um die Welt. Sie waren auch der Grund, warum stern-Gründer Henri Nannen ihn unbedingt als stern-Fotograf anstellen wollte. 30 Jahre lang arbeitete Volker Krämer für den stern. "Viele bezeichnen meinen Vater als Kriegsfotograf, doch es steckte viel mehr in ihm", sagt Felix Krämer. Treffend findet er die Bezeichnung "Spezialist für die Wirklichkeit". So nannte ihn stern-Fotograf Cornelius Meffert einmal. Für Felix Krämer zeigt die Düsseldorfer Ausstellung die weniger bekannten, fast unscheinbaren Fotos seines Vaters.

Volker Krämer: liebevoller Vater, ehrgeiziger Fotograf

Vor 20 Jahren starb Volker Krämer während einer Recherche. Er und stern-Journalist Gabriel Grüner befanden sich im Kosovo, um über den einsetzenden Friedensprozess zu berichten. Am 13. Juni 1999 machten sie sich mit ihrem Dolmetscher Senol Alit auf den Rückweg nach Mazedonien. Auf dem Dulje-Pass kreuzten sich ihre Wege mit dem russischen Söldner Alexander T., der nach einem Unfall wohl ihren Wagen stehlen wollte. Er schoss mit einem Schnellfeuergewehr in den rostroten Mercedes der Journalisten. Volker Krämer und Senol Alit starben vor Ort. Gabriel Grüner erlag noch am selben Tag seinen Verletzungen.

Volker Krämer hielt die unvergesslichen Augenblicke des Prager Frühlings fest

Volker Krämer hielt die unvergesslichen Augenblicke des Prager Frühlings fest. Diese Bilder gingen um die Welt.

Als bescheiden und zurückhaltend beschrieben Freunde den privaten Volker Krämer, doch wenn er seine Kamera in der Hand hielt, tat er alles, um das beste Foto zu machen. Auch seine Kinder spürten den Unterschied zwischen dem Vater und dem Profi-Fotografen deutlich. "Der Profi nahm nicht so viel Rücksicht auf die Familienmitglieder", sagt Felix Krämer. Für gutes Licht tat er alles. Während eines Urlaubes in der Türkei sprang er sogar in den frühen Morgenstunden mit einem Plastikbehälter, indem er sein Equipment verstaute, in einen Fluss und schwamm auf die andere Seite, um die Tempelanlagen im richtigen Licht zu erreichen. Denn so früh fuhr keine Fähre. "Als er zurück schwamm, setzte der Fährbetrieb ein", erinnert sich Felix Krämer.