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Wahlergebnisse: Machtwechsel in Japan

In Japan zeichnet sich ein historischer Wandel ab: Erste Nachwahlbefragungen deuten auf einen klaren Sieg der Opposition hin. Die Demokratische Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Yukio Hatoyama kann mit einer Mehrheit der Sitze im Unterhaus rechnen.

Japan steht vor einem Machtwechsel. Bei der Wahl zum mächtigen Unterhaus stimmten am Sonntag nach übereinstimmenden Prognosen japanischer Medien rund zwei Drittel der Wähler für die größte Oppositionspartei, die 1996 gegründete Demokratische Partei Japans (DPJ) unter dem Hoffnungsträger Yukio Hatoyama.

Danach hat die DPJ die regierenden Liberaldemokratische Partei (LDP) von Ministerpräsident Taro Aso haushoch besiegt. Hatoyama wäre die Wahl durch das Unterhaus zum neuen Regierungschef sicher, die seit mehr als einem halben Jahrhundert fast ununterbrochene Macht der LDP beendet. Ein ranghoher LDP-Vertreter räumte bereits die historische Wahlniederlage seiner Partei ein.

Hatoyamas Partei könnte laut den Befragungen von Wählern nach Stimmenabgabe auf etwa 315 der insgesamt 480 Sitze in der mächtigen Parlamentskammer kommen. Bisher hatte sie 112 Sitze. Hatoyama stammt aus einer Politikerdynastie: Schon der Großvater war Premier, sein Vater Außenminister, sein jüngerer Bruder Innenminister.

Im Wahlkampf hat die Wirtschaftskrise, von der auch die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft heftig betroffen ist, eine zentrale Rolle gespielt. Hatoyama versprach, die DPJ werde die bisherige von "Bürokraten geführte unverantwortliche Politik" beenden. Die Partei will vor allem denen helfen, die am stärksten von der Krise betroffen sind. So will sie unter anderem die Kaufkraft stärken, das Kindergeld erhöhen, die Gebühren für höhere Schulen und Autobahnen abschaffen und den Bauern Mindesteinkommen geben.

Außenpolitisch will sich Hatoyama stärker von den USA abnabeln und bessere Beziehungen zu asiatischen Ländern aufbauen. Japan-Experte Gerry Curtis von der Columbia-Universität sagte, mit dieser Wahl ende das politische Nachkriegs-System in Japan. Die Abstimmung markiere das Ende einer langen Ära und den Beginn einer neuen Zeit, die noch ein hohes Maß an Unsicherheit aufweise.

Reuters/DPA / DPA / Reuters