Wahlkampf Italien Berlusconi überrascht in TV-Duell mit Steuerversprechen


Der Wahlkampf in Italien wird mit harten Bandagen geführt. Neuester Clou des amtierenden Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi: Kurz vor Ende eines TV-Duells verspricht er Steuersenkungen - und überrascht seinen verdutzten Gegner.

Mit einer überraschend angekündigten Steuererleichterung für Immobilienbesitzer hat Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi versucht, das letzte TV-Duell vor der Parlamentswahl für sich zu entscheiden. Der in Umfragen führende Herausforderer Romano Prodi hatte keine Gelegenheit mehr, während der Sendung am Montag Berlusconi direkt mit seinen Einwänden zu konfrontieren, da dieser das Wahlversprechen erst kurz vor Ende des mit Spannung erwarteten Schlagabtauschs preisgab.

"Vielleicht will er ja Papiergeld drucken

Nach der Veranstaltung forderte Prodi jedoch umso mehr eine Erklärung, wie Berlusconi das Vorhaben umsetzen wolle. "Vielleicht hat er ja vor, Papiergeld zu drucken", sagte er. Auch einige Vertreter von Berlusconis Koalitionspartnern zeigten sich skeptisch. "Das ist ein Eigentor", sagte etwa Amadeo Ciccanti von der christdemokratischen UDC. Die Ankündigung sei nicht glaubhaft, fügte er hinzu. Der Urnengang ist für den 9. und 10. April angesetzt.

"Das erste Haus so heilig wie die Familie"

Berlusconi will jene Steuer abschaffen, die jährlich auf das erste Eigenheim von Immobilienbesitzern erhoben wird. Pro Jahr kommen durch die so genannte ICI rund 2,3 Milliarden Euro zusammen. "Für uns ist das erste Haus so heilig wie die Familie. Darum haben wir entschieden, die ICI abzuschaffen", sagte Berlusconi in dem TV-Duell. Beobachter hatten erwartet, dass die Steuerpolitik im Zentrum der Debatte stehen würde. Berlusconi warf Prodi vor, eine regelrechte Flut von Steuererhöhungen zu planen, die vor allem die Mittelklasse hart treffen werde. Prodi, Anführer eines Mitte-Links-Lagers, wies dies vehement zurück. Allerdings werde er von Berlusconi im Falle eines Wahlsieges eine desolate Finanzlage ausbügeln müssen. "Die öffentlichen Ausgaben sich außer Kontrolle", sagte er. "Dies ist eine echte Krise."

Beide punkten gleichermaßen

Zunächst war nicht eindeutig klar, ob einer der beiden Kandidaten die teils hitzig geführte und von gegenseitigen Verbal-Attacken geprägte Debatte letztendlich für sich entscheiden konnte. Beobachter sagten, das Duell sei dieses Mal wesentlich ausgeglichener gewesen als vor einigen Wochen. Damals hatte Prodi bei den Zuschauern klar besser punkten können.

In Umfragen, die vor dem Duell vom Montag erhoben worden waren, lag das Bündnis um Prodi zuletzt zwischen 3,5 und fünf Prozentpunkten vor der Mitte-Rechts-Koalition von Berlusconi.


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