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Kolumne: Hier spricht der Boomer Warum Donald Trump unangreifbar geworden ist

Viele Amerikaner können Donald Trump nicht ausstehen. Sie empfinden den US-Präsidenten als Beleidigung ihrer Intelligenz und ihrer Heimat. Aber er hat auch viele Anhänger, denen seine Fehler offenbar egal sind. Wie kann das sein? Fragt sich unser Autor.
Von Frank Schmiechen

Unzählige Enthüllungsbücher wurden über Donald Trump geschrieben. Mit ungeheuerlichen Details über Ehebruch, Pleiten und Dummheiten. Zuletzt wurde bekannt, dass er gefallene US-Soldaten als "Trottel" und "Verlierer" bezeichnet hatte.

Fast alle Medien sind sich einig: Donald Trump ist ein notorischer Lügner mit übersichtlichem Verstand, ein Frauenhasser, Fiesling und Egomane, der hin und wieder ziemlich pleite gewesen ist. Doch ganz gleich, wie oft diese niederschmetternden Einschätzungen wiederholt werden – Trump schüttelt alles ab.

Seine Anhänger bleiben bei der Stange. Sie lesen all diese Bücher und Artikel nicht. Weil sie glauben, dass die Enthüllungen nur Bestandteil eines Komplottes sind, das gegen ihren Liebling geschmiedet wurde. 

Für Trump-Wähler gibt es niemanden, der in der Trump-Liga spielt

Trump-Fans hassen Barack Obama. Sie hassen Washington, geschliffene Manieren, gedrechselte Politiker-Sprache, herausgeputzte Vorzeigefamilien und natürlich die Medien. Sie wollen einen Präsidenten, der ein bisschen so ist wie sie selbst.

Donald Trump hat sich außerhalb dessen positioniert, was wir "Politik" nennen. Das ist sein größter Trumpf. Dort sind auch seine Wähler, denen es völlig egal ist, welcher Politiker gegen ihren Liebling antritt. Für sie gibt es niemand, der in der Trump-Liga spielt.

Trump hat es außerdem geschafft, seine einzige Botschaft in den Köpfen zu platzieren: Ich mache Amerika wieder groß! Als ob Weltpolitik eine Sportart sei. Es geht um das Gewinnen. Sieger sein! Das ist einfach zu verstehen und sehr amerikanisch. 

Trump wurde immer stärker

Trumps Konkurrent Joe Biden hat es schwer. Es ist fast aussichtslos, die Trump-Wähler für ein Amerika zurückzugewinnen, in dem alles kompliziert, ausgewogen und mit Kompromissen behaftet ist. Biden kann nur darauf setzen, dass er genug Amerikaner an die Wahlurne bekommt, weil sie genug von Trump haben.

Einen Fehler sollte Joe Biden auf jeden Fall vermeiden: Er darf keine Kraft damit verschwenden, sich an seinem irrlichternden Konkurrenten abzuarbeiten. Denn Trump haben die Wucht der Angriffe, all die Verachtung und Kritik, die ihm seit Jahren entgegenschlagen, immer stärker gemacht. Er ist inzwischen unangreifbar.

rw

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