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Inauguration Day Warum wird die Amtseinführung des US-Präsidenten eigentlich immer am 20. Januar abgehalten?

Donald Trump
Sehen Sie im Video: Mehr als 30.000 falsche Behauptungen – die drei größten Lügen von Trumps Präsidentschaft.






Vier Jahre war Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. In seiner Amtszeit hat er mehr als 30.000 falsche Behauptungen aufgestellt – in 1455 Tagen. Das heißt er hat durchschnittlich 21 Mal am Tag gelogen. Das zählt der "Fact Checker", eine laufende Datensammlung der Washington Post. Wir zeigen Trumps größte Lügen im Video:


Amtseinführung


"I get up this morning, I turn on one of the networks, and they show an empty field. I say, wait a minute, I made a speech. I looked out, the field was — it looked like a million, million and a half people (…) And I turn on — and by mistake I get this network, and it showe   d an empty field. And it said we drew 250,000 people. Now, that’s not bad, but it’s a lie."


"Ich stehe heute morgen auf, mache einen Sender an und sie zeigen einen leeren Platz. Ich denke mir: „Moment, ich habe eine Rede gehalten. Ich habe mich umgesehen, da waren – es sah aus wie eine Million oder 1,5 Millionen Menschen. Ich schalte ein – und erwische versehentlich diesen Sender und sie zeigen einen leeren Platz. Sie sagen, wir hätten 250.000 Leute angezogen. Das ist nicht schlecht, aber eine Lüge."


Bilder des Events zeigen jedoch, dass weite Teile der National Mall leer blieben. Sean Spicer, Trumps Pressesprecher, stellt am nächsten Tag klar:


"This was the largest audience to ever witness an inauguration, period."
"Das war das größte Publikum, das je eine Vereidigung bezeugt hat. Punkt."


Und damit gab es den ersten Fall der "alternativen Fakten", die aus dem Weißen Haus stammen.


Wirtschaft


Die meisten Lügen, die Trump erzählt hat, betreffen die Wirtschaft. 492 Mal soll Trump diese Lüge wiederholt haben:
"We created the greatest economy in history."
"Wir haben die tollste Wirtschaft in der Geschichte geschaffen."
In nahezu jeder wichtigen Hinsicht schnitt die Wirtschaft unter Trump nicht so gut ab wie unter den Präsidenten Dwight D. Eisenhower, Lyndon B. Johnson oder Bill Clinton. Auch ohne die Coronavirus-Pandemie. Das schreibt die Washington Post.


"And I gave you the biggest tax cut in the history of our country."
"Und ich habe euch die größte Steuerkürzung in der Geschichte unseres Landes gegeben."


294 Mal wiederholte Donald Trump diese Lüge. Die Präsidenten Reagan und Obama erließen viel größere Steuerkürzungen laut Washington Post. Trumps Steuerkürzung war die achtgrößte in der Geschichte der USA.






US-Wahl 2020


"We won Georgia easily. We won it by a hundred of thousands of votes." (Telefonaufnahme – Jan 2, 2021)
"Ich habe diese Wahl mit Hunderttrausende Stimmen Vorsprung gewonnen."


Trump hat Georgia verloren – mit 12.000 Stimmen. Nicht nur das. Nachdem alle Stimmen in allen Bundesstaaten gezählt waren, war klar: Donald Trump hat die "popular vote" sogar mit mehr als sieben Millionen Stimmen verloren.


Ob Trump nach dem Ende seiner Präsidentschaft ehrlichere Töne anschlägt, ist unwahrscheinlich. Fest steht jedoch, dass die Lügen ihm keine zweite Amtszeit eingebracht haben.
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Der Januar ist der kälteste Monat in Washington – und auch wenn die Massenveranstaltung, die mit der Vereidigung des US-Präsidenten normalerweise einhergeht, in diesem Jahr ausfällt: Warum findet diese Feier der Demokratie eigentlich stets am selben Datum im tiefsten Winter statt?

Die Machtübergabe in den USA wird angesichts ihrer beispiellosen Begleitumstände in die Geschichte eingehen: Wegen der Corona-Pandemie gibt es für Biden zum einen kein Massenpublikum. Die Erstürmung des Kapitols durch gewalttätige Trump-Anhänger vor zwei Wochen hat die Behörden zudem zu erheblich verschärften Sicherheitsvorkehrungen veranlasst. Weite Teile der US-Hauptstadt sind abgeriegelt. Die Polizei wird nach Pentagon-Angaben von rund 25.000 Soldaten der Nationalgarde unterstützt.

Also alles anders als sonst? Nicht ganz: Das Datum – der 20. Januar – ist dasselbe wie immer, beziehungsweise dasselbe wie seit 1933. Bis dahin war der 4. März das traditionelle Datum gewesen, da an diesem Tag der US-Kongress im Jahr 1789 zum ersten Mal zusammengetreten war.

Die Vermeidung von "lame duck sessions"

Mit dem Termin Anfang März lagen allerdings satte 17 Wochen zwischen Wahl und Amtseinführung, was den Politikern in vergangenen Jahrhunderten ausreichend Zeit gab, aus ihren Heimatbezirken in die Hauptstadt zu gelangen.

Allerdings kam es in diesem Zeitraum auch immer wieder zu sogenannten "lame duck sessions", in der abgewählte Kongressmitglieder ihre Arbeit fortführten, ohne dass sie gegenüber den Wählern in ihren Distrikten noch Rechenschaft ablegen mussten.

Die Gefahren einer solch langen Zeitspanne zwischen Wahl und Machtübernahme lagen auf der Hand, und so war ein entsprechender Vorschlag zur Änderung der Verfassung vor über 80 Jahren nur folgerichtig: Senator George Norris aus Nebraska unterbreitete ihn, und trotzdem dauerte es damals über zehn Jahre, bis der daraus resultierende 20. Verfassungszusatz vom Senat und dem Repräsentantenhaus verabschiedet und anschließend von Dreiviertel aller US-Bundesstaaten ratifiziert wurde. Die erste Amtseinführung von Franklin D. Roosevelt wurde somit die letzte, die am 4. März stattfand.

Washington am Mittwoch: sechs Grad, teils bewölkt

Seitdem ist der Inauguration Day auf den 20. Januar festgelegt. Sollte dieser, wie zu Beginn der zweiten Amtszeit von Barack Obama im Jahr 2013, auf einen Sonntag fallen, wird der Amtseid in kleinem Rahmen abgelegt und die Zeremonie auf den folgenden Montag verlegt.

Dass der Januar mit Durchschnittstemperaturen zwischen minus zwei und plus sechs Grad Celsius der kälteste Monat des Jahres in Washington ist, mag ein ungemütlicher Nebeneffekt dieser Tradition sein, spielt aber aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen und damit ausbleibenden Menschenmassen auf der Pennsylvania Avenue zumindest für die Vereidigung von Joe Biden nur eine untergeordnete Rolle.

Der Vollständigkeit halber hier trotzdem die Wettervorhersage für den heutigen Mittwoch, 12 Uhr mittags Ortszeit in Washington: sechs Grad, teils bewölkt.

tim

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