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Welternährungsgipfel in Rom: Neue Strategien gegen den Hunger

Jeder sechste Mensch hungert. Täglich sterben 24.000 Kinder, Frauen und Männer, weil sie nicht genug zu essen haben. Beim dritten Welternährungsgipfel innerhalb weniger Jahre leitete die internationale Gemeinschaft nun einen Kurswechsel ein.

Jeder sechste Mensch hungert. Täglich sterben 24.000 Kinder, Frauen und Männer, weil sie nicht genug zu essen haben. Beim dritten Welternährungsgipfel innerhalb weniger Jahre leitete die internationale Gemeinschaft nun einen Kurswechsel ein: Die UN-Vertreter setzten sich in Rom mit ihrer Forderung nach einer neuen Strategie durch, die den armen Ländern zu einer ausreichenden eigenen Nahrungsmittelproduktion verhelfen soll. Jetzt müssen Taten folgen.

Bislang bestand Hungerhilfe zumeist darin, dass die reichen Länder Erzeugnisse ihrer eigenen blühenden Landwirtschaft exportierten anstatt der Technologie, der Bewässerungsanlagen, der Düngemittel und ertragreichen Saatgutsorten, die den Bauern in den armen Ländern zu besseren Erträgen verholfen hätten.

Doch die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) drang massiv auf Hilfe zur Selbsthilfe. Die Staatengemeinschaft erkenne nun, dass sie die Landwirtschaft lange Jahre vernachlässigt habe, erklärte die FAO vor dem dreitägigen Treffen ab Montag in Rom. Nachhaltige Investitionen in Landwirtschaft, vor allem zugunsten von Kleinbauern, seien der Schlüssel zu einer sicheren Lebensmittelversorgung. Dass das funktioniert, zeigen nach Überzeugung von UN-Vertretern Projekte in Kenia, Pakistan und Haiti. In einem kenianischen Dorf etwa hat ein Bewässerungsprojekt nicht nur geholfen, die Menschen dort satt zu machen: Es ermöglicht den Bauern auch, so viel Reis zu ernten, dass sie Überschüsse an das UN-Welternährungsprogramm verkaufen können und damit selbst Hungernden in Afrika helfen.

So ist die Welthungerhilfe nach den Worten ihrer Präsidentin Bärbel Dieckmann der "dezidierten Auffassung, dass mehr in landwirtschaftliche Entwicklung investiert werden muss". Insgesamt seien die Ursachen richtig erkannt, sagte sie im ZDF-Morgenmagazin. Richtig sei auch das Vorhaben der Bundesregierung, zusätzliche Entwicklungsgelder für die Förderung der Landwirtschaft bereitzustellen. Ausdrücklich begrüßte Dieckmann auch die Erklärung von US-Präsident Barack Obama beim G-8-Gipfel in L'Aquila im Sommer, dass die USA nicht mehr ihre eigenen Produkte exportieren, sondern in die Landwirtschaft investieren wollten.

Hunger sei kein Problem fehlender Ressourcen, sondern Folge politischer Probleme, sagt die Direktorin des evangelischen Hilfswerks "Brot für die Welt", Cornelia Füllkrug-Weitzel. Sie forderte im Sender MDR Info spezielle Programme für Kleinbauern, zur Verbesserung der Infrastruktur und des Zugangs zu Märkten. Die Exportlandwirtschaft der letzten 20 Jahre habe den Hunger nur verstärkt. Falsch seien auch Finanzhilfen für Saatgut-, Pestizid- oder Düngemittelhersteller: "Es kann sein, dass es am Schluss zu nicht mehr als dazu hilft, den entsprechenden Firmen zu mehr Einkommen zu verhelfen." Die bisherigen Welternährungsgipfel 2002 und 2008 scheiterten mit ihren hehren Zielen, etwa der erklärten Absicht, bis 2015 die Zahl der Hungernden zu halbieren. In Rom hätten die Gipfelteilnehmer nach dem Wunsch der FAO jetzt auch das Ziel setzen sollen, den Hunger in der Welt bis 2025 auszumerzen. Es wurde aber lediglich das Millenniumsziel bekräftigt. Auch finanzielle Verpflichtungen sind nicht enthalten - nach FAO-Rechnung wären in den nächsten Jahrzehnten alljährlich 44 Milliarden Dollar (30 Milliarden Euro) erforderlich.

"Geld allein wird das Problem nicht lösen", erklärte dazu die Hilfsorganisation Oxfam. Die Vereinten Nationen könnten viele vor dem Hungertod retten, wenn die einzelnen Staaten ihnen erlaubten, ihre diversen Initiativen zu koordinieren. Für das Londoner Politikinstitut International Policy Network sind Handelshemmnisse die wahren Ursachen für Hunger und Mangelernährung. Trotz aller früheren Versprechungen "gibt es heute mehr hungernde Menschen als beim ersten Gipfel 2002".

Frances D'Emilio/AP / AP