Westjordanland Israelischer Abzug beendet


Mit letzten Zwangsräumungen im Westjordanland hat Israel den historischen Abzug aus den palästinensischen Gebieten beendet. Auch am letzten Tag hatte es vereinzelt erbitterte Widerstände gegeben.

Mit letzten Zwangsräumungen im Westjordanland hat Israel den historischen Abzug aus 25 jüdischen Siedlungen in den palästinensischen Gebieten beendet. Damit die Regierung von Ministerpräsident Ariel Scharon den innenpolitisch heftig umstrittenen Abzugsplan in nur gut einer Woche durchgezogen. Insgesamt seien 15.000 Siedler und Abzugsgegner aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland evakuiert worden, bilanzierte Haluz. Die Zerstörung der geräumten Häuser solle in zehn Tagen abgeschlossen sein.

Ultranationalistische Israelis bewarfen die Sicherheitskräfte mit kochendem Öl, Flaschen, Glühbirnen, Farbe und Ketchup, als sie verbarrikadierte Synagogen und eine alte Zitadelle stürmten. Die Abzugsgegner hatten angekündigt, sich im Westjordanland aggressiver gegen die Zwangsräumung zu wehren als in den 21 Siedlungen im Gaza-Streifen. Auch die Polizeikräfte waren stärker gerüstet und rückten mit Planierraupen, Wasserwerfern und Schlagstöcken an. Die zügige und weitgehend reibungslose Räumung des Gaza-Streifens löste Hoffnungen auf eine Wiederbelebung des Friedensprozesses aus. So wollen sich Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas und Israels Regierungschef Ariel Scharon in Kürze zum dritten Mal in diesem Jahr treffen.

Die israelischen Sicherheitskräfte begannen noch am Vormittag mit einem Sturm der Zitadelle in der Siedlung Sanur, in der sich die Abzugsgegner mit Vorräten für mehrere Tage ausgestattet verschanzt hatten. Den Zugang zu zwei ebenfalls verbarrikadierten Synagogen bahnten sie sich mit Kettensägen.

Sicherheitskräfte mit Säure überschüttet

In Homesch verschanzten sich die Abzugsgegner in mehreren Bungalows, die in einem schwer zugänglichen Hain aus Nadel- und Johannisbrotbäumen lagen. "Wir werden es diesen Rottweilern diesmal so schwer wie nur möglich machen, uns hier herauszukriegen", sagte ein 17-jähriger Siedler, der nach der Räumung seiner Heimat-Enklave im Gaza-Streifen nach Homesch geflüchtet war. Unter den Wurfgeschossen der Abzugsgegner überwanden Polizisten mit Leitern und Sägen den Stacheldraht, der dicht um eine Synagoge gelegt war.

Beim heftigsten Zusammenstoß im Gaza-Streifen hatten Abzugsgegner Sicherheitskräfte mit Säure überschüttet. Die Bilder von den mehr als 30 Verletzten, die sich ihre Kleider vor Schmerz vom Leib rissen, hatten in Israel einen Aufschrei und scharfe Kritik an der Siedler-Bewegung ausgelöst.

Bush: Frieden im Heiligen Land in Reichweite

Wie im Gaza-Streifen ließ sich aber auch in den beiden Siedlungen im Westjordanland ein Großteil der eigentlichen Bewohner ohne viel Widerstand wegbringen, wenn auch unter Tränen und Schimpftiraden. "Es sind nur noch wenige Familien da", sagte ein Armeesprecher am späten Vormittag. "Wir haben es weniger mit Siedlern zu tun, die sich an ihre Häuser klammern, als mit einer großen Zahl von Leuten, die die Siedlung infiltriert haben und einen ideologischen Kampf (aus der Räumung) machen."

Scharon heimste indes viel Lob für die Räumung des Gaza-Streifens ein, der am Vortag deutlich früher als geplant abgeschlossen worden war. Abbas sprach von einem neuen Kapitel in den Beziehungen zwischen den Konfliktparteien. Auf seinen Vorschlag hin wird es in Kürze zu einem Gipfeltreffen mit Scharon kommen. US-Präsident George W. Bush sagte, ein Frieden im Heiligen Land sei nun in Reichweite.

Israel räumt parallel zum Gaza-Streifen vier kleinere Siedlungen im Westjordanland, wo insgesamt 230.000 israelische Siedler unter mehr als zwei Millionen Palästinensern leben. Scharon hat erklärt, im Gegenzug dazu in dem Gebiet strategisch wichtige Siedlungen auf Dauer behalten zu wollen. Die Palästinenser beanspruchen den Gaza-Streifen und das Westjordanland für einen eigenen, lebensfähigen Staat.

Reuters Reuters

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