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Xiao Jianhua: Das mysteriöse Verschwinden eines Milliardärs aus Hongkong

Ein schwer reicher Geschäftsmann mit guten Beziehungen zu Chinas Elite verschwindet in Hongkong. Am nächsten Tag erscheint in seinem Namen eine Treuebekenntnis zu Peking in der Zeitung, er selbst ist aber nicht zu erreichen. In Hongkong ist man besorgt.

Der in China geborene Milliardär Xiao Jianhua

Der in China geborene Milliardär Xiao Jianhua verschwand am Freitag aus Hongkong, soll sich nun in China aufhalten

Das Verschwinden eines in China geborenen Milliardärs sorgt in der autonomen Sonderwirtschaftszone Hongkong für Verunsicherung. Lokalmedien berichteten, der Geschäftsmann Xiao Jianhua sei vergangene Woche von Sicherheitsbeamten der Volksrepublik China aus seinem Hongkonger Hotel abgeführt worden. Auch die "New York Times" berichtete dies und berief sich auf Insider. Sicherheitskräfte aus China dürfen offiziell nicht in Hongkong aktiv werden.

Xiaos Unternehmen hatte über die Nachrichtenplattform WeChat zwei Mitteilungen herausgegeben, wonach der Milliardär "nicht verschleppt" worden, sondern "zur Genesung im Ausland" sei, doch wurden diese später gelöscht. Die Erklärungen erschienen am Mittwoch wieder in einer Anzeige in der Hongkonger Zeitung "Ming Pao" mit seinem Namen. Darin legte Xiao ein Treuebekenntnis zu der in Peking regierenden Kommunistischen Partei ab. "Ich habe die Partei und das Land immer geliebt." Weiter hieß es: "Ich glaube persönlich daran, dass die chinesische Regierung zivilisiert und rechtsstaatlich ist." Er sei "nicht entführt worden", war in der Anzeige weiter zu lesen. Für eine Bestätigung dieser Angaben war Xiao aber nicht zu erreichen. 

Xiao Jianhua wurde "überredet, nicht entführt"

Am Donnerstag berichtete dann die "South China Morning Post" unter Berufung auf nicht genannte Quellen, Xiao "hilft bei Ermittlungen" in China. Der politisch gut vernetzte Gründer der Pekinger Tomorrow Gruppe sei zur Kooperation "überredet" und nicht gezwungen worden. Untersuchs würden Aktienverkäufe beim Absturz der chinesischen Börsen 2015. Im Rahmen einer Anti-Korruptionskampagne wird auch gegen den früheren Vizeminister für Staatssicherheit, Ma Jian, ermittelt. Kritiker werfen Peking vor, mit dieser Kampagne auch unliebsame Bürger aus dem Weg zu räumen. 

Nach eigenen Angaben ist der gebürtige Chinese Xiao kanadischer Staatsbürger und besitzt zudem einen Diplomatenpass des Inselstaates Antigua und Barbuda. Sein Vermögen wird auf mehr als fünf Milliarden Euro geschätzt. Er soll Geschäfte mit Familien der Elite in Peking gemacht haben, darunter Verwandte von Chinas Präsident Xi Jinping.

Pekingkritische Hongkonger klagen über Einmischung Chinas

Der rätselhafte Fall ereignete sich in einer Zeit, in der sich viele pekingkritische Hongkonger über eine zunehmende Einmischung der Volksrepublik in die inneren Angelegenheiten der autonomen Wirtschaftsmetropole beklagen. Xiaos Verschwinden erinnert an eine ähnliche Geschichte, die im Jahr 2015 für große Unruhe in Hongkong sorgte. Damals waren fünf Buchhändler verschwunden, die in Hongkong chinakritische Literatur verkauft hatten. Sie waren später in der Volksrepublik aufgetaucht, einige von ihnen legten öffentlich Reue für ihr Vorgehen ab. Chinakritiker in Hongkong vermuteten, die Buchhändler seien von chinesischen Agenten entführt worden. 

In Reaktion auf den Fall Xiao stellten die Hongkonger Sicherheitsbehörden noch einmal klar, dass den Sicherheitskräften aus der Volksrepublik der Einsatz in der Sonderwirtschaftszone verwehrt ist. Es werde "nicht zugelassen, dass Sicherheitskräfte von außerhalb Hongkongs in Hongkong tätig werden", erklärte das Sicherheitsamt.

Der Oppositionspolitiker James To von der Demokratischen Partei zeigte sich besorgt über eine zunehmende Einmischung aus Peking. Es stelle sich die Frage "ob Menschen, die sich rechtmäßig in Hongkong aufhalten, geschützt werden", sagte er AFP.

fin mit Agenturen / DPA / AFP