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Zentralafrikanische Republik Rebellen erobern den Präsidentenpalast


Zentralafrika steht offenbar kurz vor einem gewaltsamen Machtwechsel: Rebellen haben am Sonntag die Hauptstadt Bangui erobert. Der Präsident floh ins Nachbarland Kongo.

Rebellen in der Zentralafrikanischen Republik haben am Sonntag die Hauptstadt Bangui und den Präsidentenpalast in der Hauptstadt eingenommen. "Die Rebellen kontrollieren die Stadt", sagte Regierungssprecher Gaston Mackouzangba dem arabischen Sender Al-Dschasira. Ein Vertreter der Streitkräfte des Landes sowie eine Quelle bei den internationalen Truppen in Zentralafrika bestätigten die Meldung. Präsident François Bozizé sei in die Demokratische Republik Kongo geflohen, erklärte Sylvanne Omar, ein Sprecher der Séléka-Miliz. Aus Regierungskreisen hieß es zudem, dass die Rebellen die nationalen Fernseh- und Radiostationen eingenommen hätten. Ihr Anführer wollte dort offenbar eine Rede an das Volk richten.

Angesichts der sich zuspitzenden Lage hatte die frühere Kolonialmacht Frankreich schon am Samstag eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Paris hat in dem Land derzeit 250 Soldaten stationiert. Unbestätigten Berichten zufolge wurden weitere 150 Mann entsandt, um den Flughafen von Bangui zu sichern. Schon am Freitag hatte das Außenministerium in Paris alle Landsleute in Zentralafrika aufgerufen, möglichst nicht mehr aus dem Haus zu gehen. In dem krisengeschüttelten Staat leben heute noch etwa 1200 Franzosen, die meisten davon in Bangui.


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Von der Unabhängigkeit ins Chaos

Die Lage in Zentralafrika ist seit Monaten gespannt: Die Rebellen-Allianz hatte sich am 10. Dezember im Norden des Landes gegen die Regierung erhoben und wichtige Städte eingenommen. Kurz vor der Hauptstadt stoppte sie allerdings ihren Vormarsch - auch, weil Frankreich, die USA und die Zentralafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Truppen in das Krisenland geschickt hatten. Nach Friedensgesprächen im Januar hatten sich die Rebellen zunächst damit einverstanden erklärt, dass Bozizé bis 2016 im Amt bleibt. Anfang Februar wurde eine Allparteienregierung gebildet, in der Rebellen und Oppositionspolitiker wichtige Posten bekamen. Der Deal sah auch vor, Séléka-Kämpfer in die Armee zu integrieren. Die Miliz wirft Bozizé vor, dieses Versprechen nicht eingehalten zu haben.

Die Zentralafrikanische Republik war 1960 unabhängig geworden. Das Land, das an andere Krisenstaaten wie den Kongo und den Sudan grenzt, ist seit langem von politischer Instabilität geprägt. Trotz reicher Rohstoffvorkommen an Diamanten, Gold und Uran gehört es nach wie vor zu den ärmsten Staaten der Erde. Das Durchschnittseinkommen beträgt kaum mehr als zwei Dollar pro Tag.

jwi/DPA/AFP/Reuters DPA Reuters

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