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Zwangsernährung in Guantánamo Rapper Mos Def schockt mit Protest-Video


Mehr als 100 Häftlinge in Guantánamo befinden sich im Hungerstreik, über 40 von ihnen werden zwangsernährt. Der US-Rapper Mos Def unterzieht sich in einem Protest-Video selbst der Prozedur.
Von Birgit Haas

Ein Mann sitzt auf einem Arztstuhl und windet sich. Er weint vor Schmerzen. Ein Schlauch sollte ihm durch die Nase eingeführt werden, aber das Brennen im Kopf und in der Nase seien nicht auszuhalten gewesen, erzählt er später. Bei dem Mann handelt es sich um Yasiin Bey, besser bekannt als Mos Def. In einem Video protestiert der US-Rapper so gegen die Zwangsernährung von über 40 Häftlingen im Gefangenenlager Guantánamo.

Die Prozedur wird zwei Mal täglich an den seit Februar gegen die Haftbedingungen protestierenden Häftlingen vollführt. Mos Def, der im Alter von 19 Jahren zum Islam konvertiert ist, veröffentlichte das Video auf der Internetseite der britischen Tageszeitung "The Guardian".

Den Zeitpunkt wählte er bewusst zum Beginn des islamischen Fastenmonat Ramadan. Mit dem Video will der Rapper darauf aufmerksam machen, dass mit der Zwangsernährung auch die religiösen Bedürfnisse muslimischer Gefangener übergangen werden könnten.

Einem Guantánamo-Sprecher zufolge verweigern aktuell 106 von insgesamt 166 Gefangenen in dem Lager auf Kuba die Nahrungsaufnahme, 45 werden zwangsernährt. Die Namen der Gefangenen sind erst vor wenigen Wochen zum ersten Mal vollständig von der Regierung Obama veröffentlicht worden. Daraus geht hervor, dass 80 ohne Anklage, geschweige denn einen Prozess auf unbefristete Zeit seit mehr als zehn Jahren festgehalten werden. Da macht sich Hoffnungslosigkeit und Wut breit. "Tot oder lebendig", sagte ein Insasse zu Beginn des Hungerstreiks, er werde Guantánamo bald verlassen.

Ein US-Gericht verwies nun darauf, dass nur der US-Präsident über die Zwangsernährung entscheiden könne und wies damit eine von vier Beschwerden ab. Obama hatte zuletzt betont, dass es sein Ziel sei, das Gefängnis zu schließen. "Guantánamo ist nicht notwendig, damit Amerika sicher bleibt. Es ist teuer. Es ist ineffizient." Es schade dem Ansehen der USA in der Welt. Die Republikaner im Kongress leisten jedoch Widerstand gegen das Vorhaben.

Birgit Haas mit Agenturen

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