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Der TV-Spot der Piraten: Besser als der ganze andere Trash

Die Piraten machen alles anders als die etablierten Parteien. Das heißt nicht, dass sie es besser machen. Den TV-Spot aber schon.

Von Marius Gerads

Ganz klassisch: Die Netz-Partei wirbt auch im guten alten Fernsehen um Wählerstimmen

Ganz klassisch: Die Netz-Partei wirbt auch im guten alten Fernsehen um Wählerstimmen

Nicht nur die Politik der Piraten ist anderes, als die der etablierten Parteien, sondern auch der Wahlkampfspot. Nein, die Piraten haben keine teure Produktion bei einer internationalen Agentur bestellt. Sondern den Wahlkampfspot selbst gedreht, einfach so. Und die Überraschung ist: Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Vor allem weil der TV-Spot sich so deutlich von dem Material unterscheidet, das die etablierten Parteien servieren. Während die CDU mit wackeliger Kamera MTV imitiert und die SPD hektisch Thema auf Thema abfeiert, geht es bei den Piraten ruhig zu. Fast bedächtig.

Und, das ist das Neue: sehr, sehr ironisch. Kostprobe? Im Bild ist eine junge Frau im roten Kleid zu sehen, die von einer Hanfpflanze kniet. Der Sprecher sagt: "Anna R. wird zu Recht an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Wieso lässt sie sich auch mit kriminellen Pflanzen ein?" Auch die Musik, die unter dem Film liegt (und leider viel zu laut ist) ist ironisch - so locker-flockig-heiter, wie sie die vermeintlichen Dramen umspielt.

Cannabis wichtiger als Euro-Rettung

So geht das Thema für Thema. Von der Kulturförderung über das bedingungslose Grundeinkommen bis hin zur Gleichstellung Homosexueller. Aber stehen die Piraten nicht eigentlich für etwas anderes, für das freie Internet? "Durch netzpolitische Themen haben wir eine Stammwählerschaft von etwa drei Prozent. Wir wollen aber auch Nichtwähler mobilisieren und stellen uns deshalb thematisch breiter auf", sagt der Parteichef der Piraten, Bernd Schlömer. Das ist die Strategie.

Die Gewichtung der Themen im Spot haben die Piraten ihren Mitgliedern überlassen. Und so werden die Auslandseinsätze der Bundeswehr gar nicht thematisiert und die Euro-Rettung nur am Rande. Auch eine interessante Botschaft: Offenkundig ist den Piraten mehr an der Legalisierung von gelegen, als die Staatsschuldenkriese zu bewältigen.

Der Spot ist eine Art Anti-Spot. Ironisch und bildästhetisch auf Kunst getrimmt. "Wir wollen die Wohlfühlpolitik der anderen Parteien aufbrechen und Dinge hinterfragen", sagt Wahlkampfkoordinator Salomon Reyes. Das ist gelungen, mit einfachen, starken Bildern und einer verständlichen Sprache ohne Politikfloskeln. Über den Inhalt kann man natürlich streiten.

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