3. Oktober 50.000 feiern Tag der Deutschen Einheit


Führende Politiker aus ganz Deutschland haben in den 18. Jahrestag der Deutschen Einheit gefeiert. Ein Gottesdienst im im Hamburger Michel bildete den Auftakt zu den dreitägigen Feierlichkeiten, die dieses Jahr in Hamburg ausgerichtet werden. Doch es gab auch Proteste.

Bundespräsident Horst Köhler hat Fehler auf dem Weg zur deutschen Einheit eingeräumt. Dennoch sei Deutschland für die bevorstehenden großen Aufgaben gut gewappnet, sagte das Staatsoberhaupt am Freitag auf dem zentralen Festakt zum 18. Jahrestag der Wiedervereinigung in Hamburg.

"Praktisch war es unmöglich, im Vereinigungsprozess immer genau zu wissen, was die richtige Entscheidung ist. Und deshalb wollen wir nicht länger so tun, als sei alles immer nur richtig gewesen", sagte Köhler in seiner Rede. Insgesamt zog der Bundespräsident aber eine positive Bilanz. Der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust, der die Feierlichkeiten als amtierender Bundesratspräsident in der Hansestadt ausrichtete, sagte, mit 18 Jahren sei die deutsche Einheit "vielleicht noch nicht ganz erwachsen, aber sie ist auf dem besten Weg dahin".

Die diesjährige Einheitsfeier stand unter dem Motto "Kulturnation Deutschland". An dem Festakt im Hamburger "Theater im Hafen" und einem vorausgegangenen ökumenischen Gottesdienst in der Hauptkirche St. Michaelis nahmen auch Bundestagspräsident Norbert Lammert, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, sowie mehrere Bundesminister und Ministerpräsidenten der Länder teil.

Köhler: "Wir haben viel erreicht"

Köhler hob hervor, auch wenn es Härten und Enttäuschungen im Prozess der Einheit gebe, sei dennoch klar: "Wir haben viel erreicht." Nicht nur im Osten, sondern auch im Westen habe der Strukturwandel der vergangenen Jahre für tiefe Verunsicherung gesorgt, räumte der Bundespräsident ein. Die deutsche Wirtschaft habe aber Kraft bewiesen, sich erholt "und kann im internationalen Wettbewerb wieder gut mithalten, was uns auch in der aktuellen Finanzkrise hilft". Dennoch gebe es einen parteiübergreifenden Konsens, dass der Osten weiter eine besondere Unterstützung brauche.

Deutschland stehe nun vor weiteren großen Aufgaben, fuhr Köhler fort. Dabei gehe es um Arbeit, um Bildung, die allen gerechte Chancen gebe, sowie um die Integration verschiedener Bereiche wie Stadt und Land, Ost und West, Arm und Reich, einheimisch und mit Wurzeln außerhalb Deutschlands. "Vor diesen Aufgaben braucht uns nicht bange zu sein. Unser Land hat ja selbst in der jüngsten Geschichte weit größere Herausforderungen gemeistert - nach 1945, nach 1989", sagte das Staatsoberhaupt.

50.000 Menschen beim Bürgerfest

Der Hamburger Bürgermeister von Beust sagte ebenfalls auf dem Festakt: "Die Mauer in unseren Köpfen ist fast abgetragen." Stattdessen sei "ein Gefühl für unser Land entstanden". Am Nachmittag begann auf zahlreichen Bühnen und anderen Schauplätzen am Hamburger Hafen ein Bürgerfest, das bis Sonntagabend fortgesetzt werden soll und bereits in den ersten Stunden rund 50.000 Besucher hatte. Ein Großaufgebot von Polizisten beschützte die Einheitsfeierlichkeiten vor möglichen Störungen. Die Demonstration linker Gruppen in St. Pauli blieb indes friedlich.

Die Feiern zum Tag der Deutschen Einheit finden jedes Jahr in einem anderen Bundesland statt. Im nächsten und übernächsten Jahr sollen sie als gemeinsames Jubiläum Freiheit und Einheit begangen werden. Wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in Hamburg bekanntgab, geht es dabei um die Jahrestage der Verkündung des Grundgesetzes 1949, der Friedlichen Revolution 1989/90 und der Wiedervereinigung von 1990.

DPA/AP AP DPA

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