60 Jahre Kriegsende Der "Tag für Demokratie"


Zum Gedenken an den 60. Jahrestag des Kriegsendes feiern Zehntausende in Berlin ein Fest der Demokratie. Bundesinnenminister Otto Schily fordert zu mehr Zivilcourage gegen Rechtsextremismus auf.

Mit Kundgebungen, Gottesdiensten, Kranzniederlegungen und einem Festakt im Reichstag wird am Sonntag in Berlin dem 60. Jahrestag des Kriegsendes in Deutschland gedacht. Das Land Berlin erwartet als Veranstalter eines "Tags für Demokratie" Zehntausende am Brandenburger Tor zu einer Demonstration für Toleranz. Tausende von Polizisten sind im Einsatz, um Zusammenstöße zwischen NPD-Demonstranten und linken Gruppierungen zu verhindern.

Die Anständigen auf die Straße bringen

Bereits am Samstag eröffnete Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit die Feierlichkeiten am Brandenburger Tor. "Der 8. Mai ist der Tag der Befreiung", betonte der SPD-Politiker. An diesem Tag werde der sechs Millionen ermordeten Juden in Europa gedacht, der Sinti und Roma, der Homosexuellen, der Behinderten und der "Soldaten, die ihr Leben gelassen haben auf allen Seiten des Kriegs." Da einige nicht wahrhaben wollten, was die Ursache des Leids gewesen sei, sei es nötig, "gegen Unverbesserliche" aufzustehen, die für Rassismus, Intoleranz und Ausgrenzung demonstrieren wollten. Es müsse gelingen, "wirklich Zehntausende" zu mobilisieren und "die Anständigen auf die Straße zu bringen."

Wowereit sagte, leider könne nicht verhindert werden, dass sich "Neonazis" am Alexanderplatz versammelten. Gegen Intoleranz müsse aber Gesicht gezeigt werden: "Wir werden uns wehren mit demokratischen und friedlichen Mitteln." Als Protest gegen Rechts hatten Gewerkschaften, Arbeitnehmerverbände, alle Parteien, die Kirchen und die jüdische Gemeinde gemeinsam zu dem "Tag für Demokratie" aufgerufen.

Sitzblockade gegen NPD-Aufmarsch

Die Jungen Nationaldemokraten haben für den 8. Mai einen Aufzug unter dem Motto "60 Jahre Befreiungslüge - Schluss mit dem Schuldkult" angemeldet. Die Demonstration wurde genehmigt, nicht aber die Route vorbei am Holocaust-Mahnmal. Aus Protest ging die Jugendorganisation der rechtsextremistischen Partei bis vor das Bundesverfassungsgericht, wo sie dann endgültig scheiterte. Linke Gruppierungen haben angekündigt, den genehmigten NPD-Marsch vom Alexanderplatz zum Bahnhof Friedrichstraße mit einer Sitzblockade verhindern zu wollen.

Der "Tag für Demokratie" wird von Prominenten wie Boris Becker, Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer mit Bühnenstatements unterstützt. Am Samstagabend stehen ein Konzert mit Bands wie "Die Prinzen" und eine Lichterkette durch Berlin auf dem Programm. Nach Gottesdiensten am Sonntag war Bundespräsident Horst Köhler als zentraler Redner der Gedenkveranstaltung im Reichstag vorgesehen.

Bundesinnenminister Otto Schily forderte "mehr Zivilcourage der anständigen Bürger gegen Rechtsextremismus." Der SPD-Politiker nannte es in "Bild am Sonntag" eine "Schande, dass es eine Partei wie die NPD gibt, die mit nationalsozialistischem Gedankengut und mit Symbolen auftritt, die an die Nazis erinnern."

Bundeskanzler Gerhard Schröder schrieb in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung", es gebe abermals Versuche, Geschichte umzudeuten und Schuld und Verantwortung Nazi-Deutschlands zu leugnen. "Den Bestrebungen besonders, aber nicht nur von neonazistischen Gruppen, Untaten und Leid des Krieges gegeneinander aufzuwiegen, den Täterdiskurs in einen Opferdiskurs zu verwandeln und die Nazi-Verbrechen zu relativieren, müssen wir entschieden entgegentreten."

AP AP

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