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Rechtsnationale Gruppierung: AfD-"Flügel" und Höcke singen bei Treffen "Deutschland, Deutschland über alles"

Bei einem Treffen des rechten "Flügels" der AfD wurde die erste Strophe des "Deutschlandlieds" gesungen. Die Zeilen sind historisch belastet. Auch Björn Höcke, Fraktionschef in Thüringen und Vorsitzender der Gruppierung, stimmte mit ein.

AfD-"Flügel" singt "Deutschland, Deutschland über alles"

Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender der AfD im Thüringer Landtag, spricht bei einer Demonstration

DPA

Anhänger der rechtsnationalen AfD-Gruppierung "Der Flügel" haben am Samstag beim "Süddeutschen Treffen" in Greding, Bayern die erste Strophe des "Deutschlandlieds" gesungen. Die Zeilen sind zwar nicht verboten, aber historisch belastet: Nach der ersten Strophe spielten die Nationalsozialisten etwa ihr heute verbotenes Parteilied. Seit 1952 wurde zu offiziellen Anlässen nur noch die dritte Strophe der Nationalhymne gesungen, nach der Wiedervereinigung wurde diese zur Hymne erklärt.

Auch AfD-Fraktionschef Höcke sang mit

Die verpönte erste Strophe (unter anderem: "Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt") wurde offenbar über Lautsprecher eingespielt, wie auf einem am Sonntag veröffentlichten Video zu sehen und zu hören ist. "Ein technischer Fehler", wird die AfD-Landtagsfraktionschefin Katrin Ebner-Steiner – die auf der Bühne stand, aber die umstrittenen Zeilen offenbar nicht mitsang – von der "Süddeutschen Zeitung" zitiert.

Laut dem Blatt hätten etwa 350 "Flügel"-Anhänger an dem Treffen teilgenommen und zum Teil mitgesungen. Darunter auch Björn Höcke, Fraktionschef der AfD in Thüringen und Vorsitzender der rechtsnationalen Gruppierung, der ebenfalls auf dem Podium stand und nach kurzem Zögern einstimmte. Auch die zweite und dritte Strophe wurden gesungen, offenbar wegen technischer Probleme aber ohne Musik vom Band.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hatte im Januar die AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative und den rechtsnationalen "Flügel" um Höcke zum Verdachtsfall erklärt. Das ist immer dann der Fall, wenn nach Auffassung der Verfassungsschützer "hinreichend gewichtige Anhaltspunkte" dafür vorliegen, "dass es sich um eine extremistische Bestrebung handelt".

Quellen: "Süddeutsche Zeitung", "Die Welt", Nachrichtenagentur DPA

stern-Redakteur Wigbert Löer sitzt in Jackett und grauem T-Shirt vor einem schwarzen Hintergrund. Er trägt eine siberne Brille
fs