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Wahlkampf in Berlin Mit Schwulen gegen Muslime hetzen: AfD will "neue Wählergruppen" erschließen

Der Wahlkampf in Berlin steht bevor - und die AfD versucht es mit einer neuen Kampagne. Sie schickt unscheinbare Lastwagen mit eindeutigen Botschaften durch die Straßen der Hauptstadt.

Im Netz machen Bilder zweier weißer Lastwagen die Runde, die zurzeit durch die Straßen von Berlin rollen. Auf einem ist ein bärtiger Mann mit verschränkten Armen vor weißem Hintergrund zu sehen, dazu die Botschaft: "Mein marokkanischer Dealer kriegt sein Leben komplett vom Staat finanziert. Irgendwas ist in Deutschland oberfaul und deshalb wähle ich die Alternative." Die Ladefläche des anderen Wagens zieren zwei Männer, ein offenbar schwules Pärchen, dazu das Zitat: "Mein Partner und ich legen keinen Wert auf die Bekanntschaft mit muslimischen Einwanderern, für die unsere Liebe eine Todsünde ist."

Was nach AfD-Hetze klingt, ist auf den ersten Blick aber nicht als solche erkennbar: Kein Partei-Logo, eine andere Typografie, auch der AfD-übliche blaue Hintergrund fehlt - und trotzdem ist es ein Vorbote der Partei für den Wahlkampf um das Berliner Abgeordnetenhaus, der offiziell erst am 31. Juli beginnen darf. Ronald Gläser, der Pressesprecher der Berliner AfD, bestätigt gegenüber der "Zeit", dass das Plakat tatsächlich von seiner Partei stammt. Die AfD habe es gemeinsam mit einem konservativen Spindoktor erarbeitet, heißt es in dem Bericht weiter.

AfD: Strategie zielt auf neue Wählergruppen

Es handele sich um einen groß angelegten Versuch, neue Wählergruppen zu erschließen - weg von der älteren, konservativen Zielgruppe, hin zu den kleinbürgerlichen Milieus, die rechts denken, sich aber nicht für rechts halten. Berlin ist der Testballon für diese Strategie, mit der die Partei in Zukunft auch in anderen Großstädten punkten will. Und nicht nur das: Türkisch- und arabischstämmige Berliner mit deutschem Pass wolle man womöglich als Nächstes ansprechen, so Glaser zur "Zeit": "Da werden sich die Altparteien noch gehörig umschauen."

tim

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