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Kommentar

AfD-Kampagne: Liebe AfD, man kann gar nicht so viel kiffen, dass es Sinn macht

Die Berliner AfD sorgt mit einer Wahl-Kampagne für Aufregung. Dabei nutzt die Anti-Partei die gleiche stumpfe Logik wie der IS. Das muss man jedes Mal aufs Neue erklären. Here we go.

Ein Kommentar von Sophie Albers Ben Chamo

LKW der AfD in Berlin mit neuer Wahlwerbung

Neue Berliner AfD-Kampagne zielt auf Kiffer und Homosexuelle

Auf den ersten, schnellen Blick sieht die neue AfD-Kampagne anlässlich der Berliner Abgeordnetenhaus-Wahl aus wie ein extrem lakonisches Statement der wunderbaren Barbara, die gesellschaftspolitische Aphorismen auf Plakaten im öffentlichen Raum zur Kunst macht. ("Auch für Frau von Storch gilt: Fremdenhass, das ist bekannt, endet oft hungrig am Dönerstand")

Auf den zweiten Blick lassen die Lastwagen-Motive allerdings eher an IS-Propaganda denken (dazu unten mehr) - und richtig schlechte Satire.

Die AfD und die Dealer

Weiße Transporter der Firma PR Car sind derzeit in für die AfD unüblichen Berliner Kiezen unterwegs: am Nollendorfplatz, in Kreuzberg und angeblich sogar im Prenzlauerberg. Große Plakate werben mit einem Kiffer und einem homosexuellen Paar. (Wissen die Models eigentlich Bescheid?) Der Kiffer wettert gegen seinen marokkanischen Dealer, der "vom Staat komplett finanziert" wird. Deshalb, so folgert der vermeintliche Grasfreund, sei etwas "oberfaul" in Deutschland, und er müsse "die Alternative" wählen.

Was hängen bleibt: Marokkaner sind Dealer. Diese Dealer leben auf Kosten der Steuerzahler. Das kann nicht mal ein Kiffer gutheißen. Und weil Kiffer doch häufig Studenten sind, gibt es noch den "Hamlet" dazu. Liebe AfD, man kann gar nicht so viel kiffen, dass das Sinn macht. Es endet immer bei: Deutsche, kauft euer Gras bei Deutschen.

Das schwule Pärchen wiederum hat kein Interesse an der Bekanntschaft mit Muslimen, die gleichgeschlechtliche Liebe für Todsünde halten. Am Nollendorfplatz, direkt vor dem Denkmal für die von den Nazis ermordeten Homosexuellen, kreuzen die Laster mit diesem Plakat. Was bleibt hängen? Muslime halten Homosexualität für Todsünde. Mit denen wollen wir nichts zu tun haben. Ergo: Wenn du homosexuell ist, musst du gegen Muslime sein.

Mal abgesehen von der Bigotterie - denn die AfD betreibt auch immer wieder homophobe Stimmungsmache: Mit dieser dumpfen Logik der Spaltung fischt wirklich jede Hass-Ideologie seit jeher nach verunsicherten, richtungslosen, identitätssuchenden Menschen - so auch der IS: Wenn du Muslim bist, musst du alle Andersgläubigen hassen. Wenn du blaue Tulpen magst, musst du alle roten ausreißen. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

Berlin, dafür bist du zu schlau!

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