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Auswertung der Polizei: AfD im Saarland fragt nach Vornamen von Messer-Angreifern - mit der Antwort hat sie nicht gerechnet

Die AfD im Saarland wollte es ganz genau wissen: Welche Vornamen haben Deutsche, die in der Mehrheit für Messerdelikte in dem Bundesland verantwortlich sind. Das Ergebnis war für die Rechtspopulisten eine Enttäuschung.

Der AfD-Abgeordnete Rudolf Müller wollte die Vornamen der polizeilich erfassten Täter von Messer-Delikten wissen

Wenn eine Anfrage zu Messer-Delikten nach hinten losgeht: Der AfD-Abgeordnete Rudolf Müller wollte die Vornamen der polizeilich erfassten Täter von Messer-Delikten wissen und erhielt nicht das Ergebnis, dass er erwartet hatte

DPA

Manchmal sieht die Realität anders aus, als man sie sich vorstellt. Besonders wenn Zahlen ins Spiel kommen, die die eigene Vorstellung von der Wirklichkeit geradezu erschüttern. Diese Erfahrung musste nun die AfD-Landtagsfraktion im Saarland machen, nachdem die Polizei die Statistik zu Messer-Delikten präsentiert hatte. Selbst hartnäckiges Nachfragen veränderte die Aussage der Zahlen nicht, wie die "Saarbrücker Zeitung" berichtet.

Im September 2018 hatte die Polizei im Saarland Zahlen zur Messer-Kriminalität präsentiert. Es zeigte sich, dass im Zeitraum von Januar 2016 bis zum April 2018 die mit Abstand meisten Delikte von deutschen Staatsbürgern begangen wurden, auch wenn Syrer und Afghanen überrepräsentiert waren.

Die Mehrheit der Messer-Kriminellen sind Deutsche

Demnach erfasste die Polizei 1490 Messer-Delikte. Darunter waren 842 deutsche Täter, 122 stammten aus Syrien, 94 waren EU-Ausländer und 36 kamen aus Afghanistan. 289 Mal konnte kein Täter und somit auch keine Nationalität ermittelt werden. Die AfD-Fraktion war mit dem Ergebnis offensichtlich nicht so richtig zufrieden. Sie ging davon aus, dass unter den deutschen Messer-Kriminellen viele mit Migrationshintergrund seien, die eingebürgert wurden. Also fragte der Abgeordnete Rudolf Müller schlauerweise die Landesregierung: "Gibt es bei den im Lagebild als Täter aufgeführten 842 deutschen Staatsbürgern Häufungen bei Vornamen?"

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Und siehe da, es gibt tatsächlich eine Häufung bestimmter Vornamen, allerdings stammen sie eher aus dem heimischen Kulturkreis, wie jetzt herauskam. Das Ergebnis lautet: Michael (24 Fälle), Daniel (22 Fälle), Andreas (20 Fälle), Sascha (15 Fälle), Thomas (14 Fälle), Christian (13 Fälle), Kevin (13 Fälle), Manuel (13 Fälle), Patrick (13 Fälle), David (12 Fälle), Jens (12 Fälle), Justin (11 Fälle) und Sven (11 Fälle).

Doppelte Staasbürgerschaften auch kaum dabei

Davon ließ sich die AfD in ihrem Aufklärungsdrang nicht abschrecken. Sie fragte zusätzlich nach doppelten Staatsbürgerschaften unter den 842 Deutschen. Irgendwo mussten sich Murat oder Abdullah ja verbergen. Aber auch diese Auswertung lief für die AfD unbefriedigend. Ganze 14 doppelte Staatsbürgerschaften gab es unter den deutschen Tätern.

In der Landtagsdebatte im Februar, als die AfD die Anträge gestellt hatte, kritisierten die anderen Fraktionen die AfD deswegen heftig. Die CDU-Abgeordnete Ruth Meyer warf AfD-Mann Müller vor, durch seine Anfrage "Halbwahrheiten und Hirngespinste“ und "durchsichtigen Hokuspokus" zu produzieren. Müllers Anträge seien "ein weiterer Beleg, wie Sie die Leute bescheißen wollen", sagte Meyer.

Quelle: "Saarbrücker Zeitung"

tis
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